Die Seite 17

Wietten und die Tilde (9)

Die lange, lange Brücke über den Sund, schneller Wolkenzug, und dann nach Nordwesten. Ich habe keinen Führerschein, hatte sie gesagt. Und ließ sich von ihm fahren. Früher, da war er mit ein paar Kumpels eben mal schnell nach Marseille gerauscht über Nacht. Im Hafen einen Kaffee getrunken, und wieder zurück. Sechzehn Stunden unterwegs. Oder mit dem alten Käfer in einer Tour zurück von Bilbao. Praktisch ohne Pause. Jetzt brauchte er alle drei Stunden einen Zwischenstopp. Kurz vor H. hatten sie die erste Rast eingelegt. Tilde war schweigsamer als sonst. Bei F. bat sie ihn, kurz in die Stadt zu fahren, sie brauche ein paar Sachen. Lass mich bitte allein einkaufen. Kam zurück mit einem großen Wanderrucksack, offensichtlich gefüllt mit neuer Kleidung für den Urlaub. Hinter G. bogen sie von der Schnellstraße ab. Dann durch die Wälder. Eine Piste, die über zehn Kilometer schnurgerade, aber auf und ab führte, dass ihm schwindelig wurde. Der See lag still, es war zu kühl für die Jahreszeit, sodass er als erstes den Kanonenofen befeuerte. » ganz lesen

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publiziert am 06.12.16 in Paare ¦ 571x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Wietten und die Tilde (8)

Der Tag war ein Schwarzweißfilm. Am Bahnhofsplatz brachte die rotgelbe Reklame des Schnellrestaurants Farbe ins Bild. Natürlich war Wietten zu früh. Er nahm an, dass sie nur ein schmales Zeitfenster rund um die vereinbarte Uhrzeit anbieten würde. Dass sie sofort verschwinden würde, wenn er nicht zwischen Viertel vor und Viertel nach auftauchte. Erst jetzt nahm er wahr, dass er sich passend zum diesigen Wetter gekleidet hatte und sich in seinem schlammfarbenen Mantel kaum von den umgebenden Gebäuden abhob. Also stellte er sich exakt in die Mitte des Platzes, während die Pendler und die Touristen an ihm vorbeiströmten. Die riesige Kirche mit den spitzen Türmen deprimierte ihn. Wie ihn diese verbaute Stadt am großen Strom mit ihren lärmenden Bewohnern immer schon deprimiert hatte. Seinen letzten Kunden in K. hatte er verloren, weil er es nicht lassen konnte, schlecht über den Ort und seine Bürger zu reden. » ganz lesen

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publiziert am 01.12.16 in Paare ¦ 538x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Wietten und die Tilde (7)

Der Raubüberfall auf die Tankstelle am nördlichen Verteilerring von F. kam in den französischen Nachrichten nicht vor, und Wietten erfuhr erst davon, als er im Thalys eine deutsche Zeitung fand. Die Entfernung vom Hotel und zum Hauptbahnhof passte, der zeitliche Ablauf auch. Nur bei der Beschreibung des Täters kamen ihm Zweifel. Obwohl jemand, der solche Verbrechen öfter beging, sich vermutlich bestens mit Verkleidungen auskannte. Die erbeutete Summe konnte dem Geld entsprechen, das er in ihrem Rucksack entdeckt hatte. Alles zusammen ergab das Bild einer romantischen Räuberin, die im Raub eine reale Möglichkeit sah, ohne zu arbeiten ein komfortables Leben zu führen. Wietten erinnerte sich an Filme aus den Fünfzigern und Sechzigern, französischen und auch deutschen Filmen, in denen der Dieb als ehrbarer Handwerker dargestellt wurde mit einer Ganovenehre und der Schmiere als Feind. Gerade Lino Ventura hatte er in solchen Streifen geliebt, und natürlich waren die Kriminellen auch für ihn die wahren Helden. » ganz lesen

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publiziert am 25.11.16 in Paare ¦ 626x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Köhler (2)

Beinahe jeden Tag wanderte Alfred nun mit Hexe zum Hang, den Rucksack gefüllt mir Vorräten. Außerdem lagerte er im Bunker Werkzeug, Kochgeschirr, Akkus und Verbandszeug. Esgelang ihm, einen Draht aus dem ersten Raum durch die Luke bis ins Freie zu führen, der als Antenne für den Rundfunkapparat dienen sollte. Am schwierigsten war es, Matratzen für die vorhandenen Notbetten unauffällig in den Wald zu transportieren. Dafür lieh er sich beim Schrotthändler Metin einen Handkarren und erledigte diese Aufgabe in zwei mondlosen, regnerischen Nächten. Auch die nötigen Elektrogeräte brachte er mit dem Karren zum Bunker. Nach einunddreißig Tagen war alles bereit für den Umzug. Vorher wollte er aber noch die Tiefen der Anlage erforschen. Die Schnur war immer noch an der Eingangstür befestigt, und Alfred ging mit dem Knäuel in der Hand auf die Stahltür am Ende des Ganges zu. Sie war ganz leicht zu öffnen. Hexe lief voraus als er sie durchschritt. » ganz lesen

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publiziert am 23.11.16 in Paare ¦ 527x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Köhler (1)

Noch siebenundvierzig Tage blieben den Köhlers. Dann fände die Zwangsräumung statt, und sie wären Wohnungslos. Es gab keine realistische Möglichkeit, bis dahin die rund zweieinhalbtausend Euro Mietrückstände auszugleichen. Alfred hatte also einen Plan B ausgearbeitet. Bei einem Spaziergang mit der Mischlingshündin Hexe hatte er auf halber Höhe am Vorberg der Stadt einen Bunkereingang entdeckt. Hexe hatte im Unterholz gestöbert. Dann jaulte sie, und Alfred wusste, dass sie sich in einem Dornenbusch verfangen hatte. Das Brombeergestrüpp überwucherte er einen Betonstumpf von vielleicht anderthalb Metern Höhe. Mit dem Taschenmesser schnitt er einen Zugang und entdeckte eine Stahltür, die sich ohne Weiteres öffnen ließ. Beim Licht seiner Stablampe erkannte er acht, neun Stufen, die abwärts in einen quadratischen Raum führten. Er beschloss, sich die Sache bei Gelegenheit und besser ausgerüstet anzusehen. » ganz lesen

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publiziert am 21.11.16 in Paare ¦ 552x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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