Die Seite 2

Das weiße Hemd

Wohl fühlte sich Mladen nur, wenn er ein weißes Hemd trug. Im Schrank hatte er eine ganze Auswahl Versionen: verschiedene Schnitte, kurz- und langärmelig, aus verschiedenen Stoffen. Und weil seine weißen Hemden wirklich strahlend weiß sein musste, vertraute er sie nicht der heimischen Waschmaschine an, sondern brachte sie in eine sorgfältig ausgewählte Wäscherei. Auch in dieser Nacht auf dem Dach trug er ein weißes Leinenhemd mit kurzem Arm. » ganz lesen

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publiziert am 08.05.20 in Fünf ¦ 90x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Die Familie

“Sie können hier bleiben, Frau von Dithausen,” hatte Georg gesagt, und sie hatte geantwortet, “Darf ich Ihnen das Du anbieten? Nennen Sie mich Edith.” Dann hatten sie Bruderschaft getrunken wie es sich gehört – er mit Whisky, sie mit dem Tee, den er gekocht hatte. Der Regen war stärker geworden und schlug Blasen auf der Veranda. “Haben Sie, entschuldige, hast du Kinder?” fragte Edith. Er schüttelte den Kopf: “Hat sich nicht ergeben. War nie verheiratet. Gut so. Auf ein bürgerliches Leben hatte ich nie Lust. Schon als ich noch als Schreiberling unterwegs war, habe ich mich immer eher als einsamer Streiter empfunden, einen Ritter im Auftrag des Guten. Stolz und arrogant. Das zog manche Frau an. Aber keine hielt es lange mit mir aus.” Er goss nach und trank das Glas Schluck für Schluck aus. “Und du?” » ganz lesen

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publiziert am 30.04.20 in Fünf ¦ 212x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Der rote Punkt

Veranstaltungen dieser Art nannte man nun Town-Hall-Meetings. Der Politiker, der sich dem Wahlvolk stellte, war nun mittendrin, nicht mehr erhöht auf einer Bühne, verschanzt hinter einem Pult, auf Distanz mit denen, die er repräsentiere wollte. Wenn er das denn überhaupt wollte. Der örtliche Vorsitzende der konservativen Partei hatte August Friedrich in die Aula des Walter-Lübke-Gymnasius geladen. Man hatte eine freie Fläche auf dem Parkett geschaffen, umgeben von mehreren Stuhlkreisen, aber die Mehrheit der gut siebzig Anwesenden hatte es vorgezogen, sich die Sache von der Empore an der Stirnseite aus anzuschauen. » ganz lesen

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publiziert am 30.04.20 in Fünf ¦ 53x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Das Gift

Als Journalist wusste Uli Bronner sehr genau, dass es Veranstaltungen gab, die von Kollegen nur deswegen in den Terminkalender genommen wurden, weil man dort ein erstklassiges Buffet erwarten konnte. Er wusste deshalb auch zu gut, dass man bei Events mit Gourmet-Catering beinahe immer auf Tibor Paladin treffen könnte, denn der war für seine Vorliebe für ausgewählte Speisen und seinen beispiellosen Geiz bestens bekannt. Lesungen in Buchhandlungen akzeptierte er nur, wenn ihm vom Aufbruch zuhause bis zur Rückkehr in die heimische Wohnung keinerlei Kosten entstanden. Wobei keinerlei bedeutete, dass er nicht einmal bereit war, die 50 Cent in der Bahnhofstoilette aus eigener Tasche zu zahlen, sondern selbst solche Ausgaben auf die Spesenrechnung zu setzen pflegte. Dass Paladin also im Mai in einer schönen, aber unwichtigen Stadt in einem eher erfolgsarmen Weinlokal lesen würde, überraschte Bronner. » ganz lesen

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publiziert am 30.04.20 in Fünf ¦ 185x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Das Bad

Nach der Wende wandelten pfiffige Leute die Datschen im lichten Kiefernwald am See durch allerlei An- und Umbauten in Einfamilienhäuser um, sofern sie die Hütten nicht gleich abrissen, um auf den sandigen Grundstücken umfangreiche Häuschen zu errichten, die sie hinter dichten Hecken zu verbergen trachteten. Nur die Funktionärswillen im Osten der Siedlungen, die fielen umgehend den Immobilienspekulanten in die Hände, die alsbald wohlhabende Anwälte und Ärzte aus dem Westen hierher lockten. Gustav Auland aber war durch ein undurchsichtiges Geschäft schon 1990 an eines der wenigen steinernen Häuser direkt am Ufer gelangt und hatte sofort einen Steg am Ende des Gartens anlegen lassen. » ganz lesen

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publiziert am 25.04.20 in Fünf ¦ 30x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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