Die Seite 2

1 Blutgrätsche

Hauptkommissar Robert Greiper hatte in dieser stürmischen Oktobernacht so gut wie kein Auge zugetan. Er war es gewohnt, auf dem Hausboot seiner ewigen Gefährtin und langjährigen Geliebten Elle schlecht zu schlafen. Die Gewissheit, kaum einen Meter über dem wilden Wasser zu liegen, hatte ihm immer schon zu schaffen gemacht, dazu das Geräusch, das der Fluss am Rumpf erzeugte. Aber in dieser Nacht hatte sich das Gluckern und Blubbern anders angehört als sonst, sodass er lange gelauscht hatte. Später auf dem Rücken lag und die Kreise an der Decke beobachtete, die das gespiegelte Mondlicht malte. Elle dagegen lag wie immer sanft schnarchend neben ihm und drehte ihm den Hintern zu als sei alles in Ordnung. Gegen halb sechs vibirerte sein Smartphone, und er stand leise auf, um sie nicht zu wecken. » ganz lesen

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publiziert am 11.07.20 in Fehlpass ¦ 41x gelesen ¦ noch kein Kommentar

6 Abspielen

Endlich wurde sein Flug aufgerufen, mindestens zweiundzwanzig Stunden würde er unterwegs sein, zwei Zwischenstopps inklusive, und wieder überlegte er, weshalb seine Anwesenheit bei einer Vertragsunterzeichnung überhaupt für notwendig befunden wurde. Wang Ho hatte in der letzten Videokonferenz angeführt, so könne man sich endlich mal persönlich kennenlernen. Außerdem habe er Vertreter der internationalen Business-Medien eingeladen, damit wenigstens ein paar Fotos vom Handshake gemacht würden; für so bedeutend halte er den Deal zwischen seiner Holding und Roelandes Firma. Natürlich sei er herzlich für ein paar Tage in Hos privatem Resort auf Pulau Randang eingeladen. » ganz lesen

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publiziert am 05.07.20 in Fehlpass ¦ 44x gelesen ¦ noch kein Kommentar

3 Spielplan

Im Prinzip hätte Wang Ho einen aus dem 62. Stockwerk des MOP-Buildings einen wunderbaren Blick über die 20-, 30- oder gar 40-Millionen-Metropole, aber wie meistens waberte gelblicher Nebel ein paar Etagen unter ihm über die Stadt. Der Makler hatte ihm damals erzählt, an klaren Tagen könne man im Westen sogar das Meer sehen, aber klare Tage hatte es in den letzten zwei Jahren nie gegeben. Und heute herrschte wieder dieses Wetter, dass die Fremden an Kuala Lumpur so hassten. Morgen ums acht hatte das Thermometer schon 36 Grad angezeigt, und jetzt waren es laut Wetter-App schon wieder 44 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von fast 90 Prozent. Wie, dachte er, können die armen Schweine, die nicht in einem klimatisierten Büro arbeiten, die nicht im klimatisierten Aufzug in die klimatisierte Tiefgarage fahren konnten, um sich dann in einer klimatisierten Limousine in ihr klimatisiertes Haus oben am Batu-See oder sonstwo außerhalb des Molochs chauffieren zu lassen, wie könnten die armen Menschen überhaupt überleben. » ganz lesen

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publiziert am 05.07.20 in Fehlpass ¦ 38x gelesen ¦ noch kein Kommentar

5 Klein, klein

Sieben Jahre zuvor. Es nieselt, es ist kalt, kaum acht Grad. Tiefstrahler beleuchten den nassen Kunstrasenplatz. Im Mittelkreis steht Alfred Killewald. Gut zwanzig Jungs laufen außerhalb der Außenlinien um den Platz. “Los, los, noch vier Runden,” ruft der Trainer. Er trägt eine Regenjacke über dem Trainingsanzug, während sich die 13-, 14-Jährigen in kurzen Hosen und Trikots warmlaufen. “So,” befiehlt er, “jetzt Fünf gegen Fünf ohne Torwart. Und die Torleute zu mir!” Die Spieler verteilen sich auf die Hälften links und rechts der Mittellinie. Vier von ihnen, die man an den fetten Handschuhen als Torhüter erkennt, finden sich bei Killewald ein. » ganz lesen

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publiziert am 03.07.20 in Fehlpass ¦ 60x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Kein Grün

Peilemeier saß ziemlich breitbeinig auf der roten Polsterbank in der hinteren Ecke der Bar. Ich hockte mit einigem Abstand auf einem Stuhl ihm gegenüber. “Heißt du wirklich Pan mit zweitem Vornamen?” Er lehnte sich noch weiter zurück. “Jan Pan Peilemeier, so heiße ich; kein Künstername, kein Pseudonym.” – “Wer nennt seinen Sohn denn Pan?” – “Idee meiner Mutter, die war Flötistin. Du verstehst: Pan, der Hirtengott mit der Flöte.” JPP, so ließ er sich gern nennen, grinste. “Du sagst “war’. Ist sie tot?” – “Nein, nein, quicklebendig, nur keine Flötistin mehr. Hat es nach der Geburt meiner Schwester drangegeben.” – “Und die heißt wohl Tuba mit zweitem Vornamen?” Er lachte ein bisschen, und es klang als habe er einen Krümel in der Luftröhre. “Die hat keinen zweiten Vornamen. Jedenfalls so weit ich weiß.” – “Und war dein Vater auch Musiker?” Peilemeier kippte kontrolliert vornüber und stützte die Ellenbogen auf den Knie ab: “Nein, der ist Schlagzeuger.” » ganz lesen

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publiziert am 11.06.20 in Typen ¦ 183x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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