Die Seite 5

21 Knöpfe

Wir waren beide nicht passend zum Anlass gekleidet. Die Bildungsbürger hatten sich feingemacht, und die betroffenen Künstler waren entsprechend ihres jeweiligen Markenkerns kostümiert. Man hatte eine viel zu große Location gewählt, sodass sich die vielleicht zweihundert Gäste im Saal verloren. Da hatte ich es vorgezogen, die Fotos von der Empore aus per Tele zu schießen. Ich lehnte gerade an einer der tragenden Säulen und wartete auf den nächsten Redner. Da sah ich sie fünf Säulen weiter stehen. Halbverdeckt vom Stützwerk, nur das Profil und die Linie ihrer Figur war sichtbar. Ein besonders auffällig kostümierter Künstler betrat das Podium, Beifall brauste auf, und sie trat vor. Sah mich aus den Augenwinkeln, erstarrte kurz, drehte sich dann zu mir um und musterte mich. Ihr Blick traf mich voll auf die Zwölf. » ganz lesen

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publiziert am 28.10.17 in Paare ¦ 240x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Stabile Seitenlage

Zwei Drittel meines Blickfelds nimmt ein schillerndes Grau ein. Etwas wie ein rissiger Estrich. Ich liege auf der Seite, der Kopf auf der linken Wange. Oben bewegen sich unscharfe Menschen. Hören kann ich nichts, weil da ein stetiger Pfeifton in meinen Ohren ist. Versuche die Leute zur Hilfe zu rufen. Strenge mich an, aber aus meinem Mund kommt nur ein verschwommenes Raunen. Dann mein linker Arm, steckt unter meinem Körper fest. Ich spüre nichts unterhalb des Ellenbogens. Versuche ihn trotzdem hervorzuziehen. Bin ich gelähmt? Was ist gebrochen? Es riecht nach frischem Blut. Meine Erinnerung: Wie ich unter dem Hallendach über die Streben klettere. » ganz lesen

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publiziert am 09.09.17 in Paare ¦ 360x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Höller blickt zurück

Nun sitzt er da und denkt über sein Leben nach. Das Familienfest ist in vollem Gange, aber das blendet er aus, wenn ihm Verwandte auf deprimierend tröstliche Art die Hand auf die Schulter oder den Unterarm legen. Oder wenn ihn junge Frauen auf die Wange küssen. Das müssen Enkelinnen sein, denn seine Töchter sind auch schon alt. Aus der Höhe des Alters sieht man vor allem Enttäuschungen und Niederlagen, denkt Höller. Wobei er das Alter auch nicht als Gipfel sieht, sondern eher als Schacht, der tief in die Erde führt, in dem man langsam versinkt und unsichtbar wird. Die Jugend dagegen, denkt er, ist bestimmt von Hoffnungen, Erwartungen und Plänen. Er kann sich nicht erinnern, wann er zum letzten Mal einen Plan gemacht hat in der Hoffnung, er können aufgehen. An Elisabeth kann er sich erinnern, sehr gut erinnern. Ihr Gesicht kann er sich jederzeit an jedem Ort vor Augen holen. Und ihr jugendlicher Körper aus den guten Jahren ist ihm so vertraut, dass er ihre Haut spüren und riechen kann. » ganz lesen

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publiziert am 20.08.17 in Paare ¦ 363x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Katarakt

Eines Tages kletterte Moritz dann doch die Leiter an der Rutsche auf dem Spielplatz hinauf, vierzehn Sprossen. Als er oben angekommen war und auf dem Absatz stand, begann es seinen Waden zu kribbeln und sein Skrotum zog sich zusammen. Da war er vier Jahre alt. Ihm wurde schwindlig, und er bekam keine Luft mehr. Beim Sturz in die Sandgrube brach er sich den rechten Fuß, und es dauerte acht Wochen bis er wieder richtig gehen konnte. Zweiundzwanzig Jahre später lernte er Sara kennen und verliebte sich sofort in sie. Für dich würde ich alles tun, sagte er eines Tages. Ihr gefiel der schüchterne Mann mit den langen dunklen Haaren und den kleinen zärtliche Händen sehr, also wurden sie ein Paar. Dann wurden beide berufstätig, und ihr gemeinsames Leben verlief in ruhigen Bahnen. » ganz lesen

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publiziert am 17.08.17 in Paare ¦ 352x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Vater, mein Vater

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein ausgeglichener, entspannter Mensch bin. Es braucht schon einiges, damit ich mich aufrege. Okay, wenn ich im Stress bin, können mich auch schon einmal kleinere Dinge aus der Fassung bringen. Besonders, wenn meine Sachen nicht da sind, wo sie hingehören. Oder wenn mir jemand dazwischen quatscht. Nicht liegt mir außerdem ferner, als die Schuld immer bei anderen zu suchen. Deshalb soll das hier auch keine Rechtfertigung sein, keine Entschuldigung oder so etwas. Dass ich Ulrike rausgeschmissen habe, ist Fakt. Aber auch Schnee von gestern. Kann man nicht mehr ändern. Ist einfach so. » ganz lesen

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publiziert am 16.08.17 in Paare ¦ 370x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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