Die Seite 6

Die Rettung

Er hatte keine Ahnung wie er in diese Situation geraten war. Richter Zisser war am Vormittag eines angenehmen Vorfrühlingstag aufgebrochen mit seinem Oldtimer. Der müsse mal bewegt werden, hatte er seiner Lebensgefährtin gesagt. Mit geöffnetem Verdeck war er übers platte Land gefahren, ohne festes Ziel. An der Luft, die ihn umwehte, und am Geräusch des alten Sechszylinders hatte er sich erfreut, und natürlich an den Blicken der Männer, wenn er durch eine Ortschaft kam. Er konnte sich in sie hineinversetzen, er wäre auch neidisch gewesen, wenn ein Typ mit einem derart schönen Auto vorbeigekommen wäre. Als er auf einer in sanften Kurven schwingenden Landstraße durch einen Mischwald auf einer Anhöhe kam, spürte er, dass er pinkeln musste. » ganz lesen

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publiziert am 05.04.20 in Fünf ¦ 112x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Unterwegs mit dem Örtzel

Damals als wir noch in der Nähe des F.-Parks wohnten, gab es in der Nachbarschaft einen kleinen, dicken Mann, der Tag für Tag auf den Straßen unterwegs war. Weil er mit lauter Stimme jeden ansprach, der ihm begegnete, konnte man ihn schon von Weitem hören. Zumal er mit hoher Kinderstimme redete und mit einer regionalen Färbung, die ich nie so ganz zuordnen konnte. Offensichtlich wusste der Kerl, den Alteingesessene den Örtzel nannten, viel über die Leute in seiner Gegend, denn er stellte bei den Begegnungen ziemlich spezifische Fragen nach ihrem Tun und Treiben. Dabei blieb er immer einigermaßen ernst, ich habe ihn in all den Jahren nie lachen hören oder grinsen sehen. Selbst Lächeln gehörte wohl nicht zu seiner Mimik. » ganz lesen

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publiziert am 22.03.20 in Stadtgeschichten,Typen ¦ 111x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Hans, der Mathematiker

Hans, der Mathematiker, lebte und arbeitete in einer ehemaligen Garage in einem Hinterhof an der H.-Straße. Wer war wohl seit vielen Semester für das Lehramt eingeschrieben, verdiente seinen Unterhalt aber mit Fahrradreparaturen. Im hinteren Teil gab es Tisch, Bett und Stuhl, vorne, abgetrennt durch ein raumhohes Stahlregal betrieb er seine Werkstatt. Seine Freundin hieß vermutlich Ella und räkelte sich meistens nackt oder leicht bekleidet auf der Pritsche im Wohnbereich. Hans war nicht nur ein Meister seines Faches, sondern ein Magier. » ganz lesen

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publiziert am 21.03.20 in Stadtgeschichten,Typen ¦ 101x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Die bunte Frau

Wir sehen einen Rücken, der aus schmalen Hüften wächst und in einem delikaten Nacken auslüft. Darüber ein Helm Haare in der Farbe geschälter Karotten. Die Wirbelknochen und die Schulterblätter sind gut erkennbar. Die helle Haut ist übersät mit ockerfarbigen Flecken. In der Schule wurde Elisabeth nicht wegen ihrer roten Haare gehänselt, sondern weil sie lang und dürr war. Das in einer Zeit als Kinder noch das Wort Bohnenstange benutzten. In den heißen Sommern ihrer Kinder- und Jugendjahre erblühten ab Mai die Sommersprossen. Immer mehr wurden es bis im September kaum noch die weiße Haut, die sich durch das Sonnenlicht kein bisschen bräunte, zu sehen war. » ganz lesen

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publiziert am 17.08.19 in Fotoalbum ¦ 121x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Sag einfach nichts

Von Anfang an hab ich Ivo total vertraut. Wenn der gesagt hat, das machen wir so und so, dann hab ich genickt, und dann haben wir das so gemacht wie er gesagt hat. Denken Sie aber nicht, ich wäre so eine naive, dumme Nuss, die macht, was so’n Typ befiehlt, weil der stärker ist, schlauer und älter. Mein Vertrauen kommt aus Erfahrung. Hab ganz schön viel Erfahrung mit Menschen, weiß praktisch immer sofort, ob man einem vertrauen kann oder nicht. Mein Vertrauen in Ivo hat sich auch immer ausgezahlt in den zweieinhalb Jahren. Wir sind uns in einem leerstehenden Haus in R. begegnet, wo ich Platte machen wollte. War so ein Geheimtipp bei den Mädels. Da kommt nie jemand hin, schon gar kein Mann, da bist du safe, hatte Pinky gesagt. » ganz lesen

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publiziert am 15.06.19 in Paare ¦ 193x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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