Die Seite 6

Der Liste

Ein hässlicher Herbst war eingezogen mit Dauerregen Tag und Nacht. Georg Scholl hatte zweimal versucht, den Rehbock zu schießen, den er schon länger im Auge hatte. Aber in der Mischung aus tiefhängenden Wolken, feuchter und diesiger Luft wra die Sicht zu schlecht. Nun verließ er das Haus nicht mehr. Die Vorräte würden für einige Wochen reichen. Auf eine lange Selbstisolation war er bestens vorbereitet. Und wenn ihn hungernde Städter nach einer Katastrophe oder im Kriegsfall im Torhaus des Gutes aufstöbern würden, könnte er immer noch in den Keller des leerstehenden Herrschaftsgebäude wechseln. Den hatte er entsprechend ausgebaut und ausgerüstet. Da könnte er locker ein Jahr überleben. An diesem Dienstag Ende Oktober hatten die Niederschläge ein wenig nachgelassen und zu Sprühregen geworden. » ganz lesen

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publiziert am 17.04.20 in Fünf ¦ 169x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Der gerade Weg

Als dem Journalisten Ulrich Bronner gestattet wurde, die Angeklagten in der Untersuchungshaft zu besuchen, um mit ihnen, so sie denn bereit dazu waren, Interviews zu führen, war es der Terrorist, der in den Medien als Axel L. bezeichnet wurde, der ohne Zögern zugestimmt hatte. Der Mann, den man mit einem selbstgebauten Sprengkörper am Leib in seinem Auto erwischt hatte, brauchte keine Frage, um sofort mit der Erzählung zu beginnen; Bronner hatte kaum Zeit, das Aufnahmegerät einzuschalten. » ganz lesen

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publiziert am 17.04.20 in Fünf ¦ 172x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Die Rettung

Er hatte keine Ahnung wie er in diese Situation geraten war. Richter Zisser war am Vormittag eines angenehmen Vorfrühlingstag aufgebrochen mit seinem Oldtimer. Der müsse mal bewegt werden, hatte er seiner Lebensgefährtin gesagt. Mit geöffnetem Verdeck war er übers platte Land gefahren, ohne festes Ziel. An der Luft, die ihn umwehte, und am Geräusch des alten Sechszylinders hatte er sich erfreut, und natürlich an den Blicken der Männer, wenn er durch eine Ortschaft kam. Er konnte sich in sie hineinversetzen, er wäre auch neidisch gewesen, wenn ein Typ mit einem derart schönen Auto vorbeigekommen wäre. Als er auf einer in sanften Kurven schwingenden Landstraße durch einen Mischwald auf einer Anhöhe kam, spürte er, dass er pinkeln musste. » ganz lesen

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publiziert am 05.04.20 in Fünf ¦ 192x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Unterwegs mit dem Örtzel

Damals als wir noch in der Nähe des F.-Parks wohnten, gab es in der Nachbarschaft einen kleinen, dicken Mann, der Tag für Tag auf den Straßen unterwegs war. Weil er mit lauter Stimme jeden ansprach, der ihm begegnete, konnte man ihn schon von Weitem hören. Zumal er mit hoher Kinderstimme redete und mit einer regionalen Färbung, die ich nie so ganz zuordnen konnte. Offensichtlich wusste der Kerl, den Alteingesessene den Örtzel nannten, viel über die Leute in seiner Gegend, denn er stellte bei den Begegnungen ziemlich spezifische Fragen nach ihrem Tun und Treiben. Dabei blieb er immer einigermaßen ernst, ich habe ihn in all den Jahren nie lachen hören oder grinsen sehen. Selbst Lächeln gehörte wohl nicht zu seiner Mimik. » ganz lesen

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publiziert am 22.03.20 in Stadtgeschichten,Typen ¦ 194x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Hans, der Mathematiker

Hans, der Mathematiker, lebte und arbeitete in einer ehemaligen Garage in einem Hinterhof an der H.-Straße. Wer war wohl seit vielen Semester für das Lehramt eingeschrieben, verdiente seinen Unterhalt aber mit Fahrradreparaturen. Im hinteren Teil gab es Tisch, Bett und Stuhl, vorne, abgetrennt durch ein raumhohes Stahlregal betrieb er seine Werkstatt. Seine Freundin hieß vermutlich Ella und räkelte sich meistens nackt oder leicht bekleidet auf der Pritsche im Wohnbereich. Hans war nicht nur ein Meister seines Faches, sondern ein Magier. » ganz lesen

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publiziert am 21.03.20 in Stadtgeschichten,Typen ¦ 174x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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