Die Seite 8

Liebe Dreizehn

Als meine Tochter am frühen Abend weinend heimkam, war sie dreizehn Jahre, drei Monate und elf Tage alt. Ich habe das später nachgerechnet. Und ich ahnte, was geschehen war. Dass es mit diesem großgewachsenen, hübschen Burschen zu tun hatte, war mir auch klar. Denn nicht nur Leonie war verliebt in ihn, ich, wenn auch auf eine andere Art, auch. Wie kann auch ein junger Mann von knapp siebzehn Jahren auch so attraktiv sein und so viel Charisma haben? Singah war Teil dieser Hippie-Familie, wie sie in der Nachbarschaft genannt wurde, eine reine Frauen-WG mit seiner Mutter, dem kleinen Bruder Asim, der Oma, zwei Tanten und drei mittelalten Damen, die vermutlich nicht mit dem Rest verwandt waren. Sie lebten in einer riesigen, verwinkelten Wohnung über zwei Etagen mit zwei separaten Mansarden oben unter dem Dach einen Häuserblock weiter. Ich weiß es, weil ich Leonie ein paar Tage später dort herausholte. » ganz lesen

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publiziert am 17.07.17 in Paare ¦ 538x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Letztes Wiedersehen

Sie liegt da wie früher. Halb auf der Seite, halb auf dem Bauch. Das rechte Bein gestreckt, die linke Fußsohle fest an die rechte Wade gepresst. Der Gesicht liegt auf dem einen Arm, der andere umschließt den Kopf. Die Brise, die durch den offenen Spalt der Terrassentür weht, bewegt den Vorhang. Sonnenstrahlen fallen auf ihren Körper und das Muster im Stoff malt Flecken auf ihre Haut. Dann dreht sie sich um. Immer noch diese sehr helle Haut, immer noch die Pigmentflecken. Er sieht die dritte Zitze in der Falte unter ihrer rechte Brust. Das Schamhaar nicht mehr dicht wie damals, nicht mehr so strahlend rot. Der Spalt scheint durch, aber am oberen Rand immer noch die kecke Locke. Sie hatten sich über dreißig Jahre aus den Augen verloren. Dann schrieb sie ihm eines Tages eine Mail: Ich komme in die Stadt, treffen wir uns? Beide nervös im Café. Dann den großen Spaziergang mit dem Hund durch den Park. Und dann waren sie wieder wie das Paar, das sich mit dreizehn, vierzehn Jahren jeden Tag gesehen hat, jeden Tag miteinander geredet hat, alles gemeinsam, blindes Verständnis. Und natürlich gingen sie dann zusammen, so nannte man das damals. » ganz lesen

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publiziert am 16.07.17 in Paare ¦ 518x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Nichts davon (3)

Und, Karl, was machen wir jetzt? Er hat ein besonderes Bett für sie angeschafft mit elektrischer Verstellung und es im Wintergarten aufstellen lassen. Die Türen sind geöffnet, und der warme Junihauch zieht hinein, wo er bei ihr sitzt und ihre Hand hält. Die Verletzung ist deutlich schlimmer als gehofft. Zwei Wirbel sind betroffen. Bea hat Lähmungserscheinungen und starke Schmerzen am Rückgrat. Schlafen kann sie nur auf der rechten Seite, also so wie sie noch nie in ihrem Leben im Bett gelegen hat. Die Prognosen sind nicht klar. Wissen Sie, Frau Dardai, in vielen ähnlich gelagerten Fällen erheilt alles, hatte Professor Langner gesagt, dann werden Sie wieder ganz die Alte. Aber manchmal… Sie hatte abgewunken: Will ich gar nicht wissen. Sag mir, Karl, wie soll’s weitergehen? Ihr Mann hat sich ein Zigarillo angezündet, etwas, was er früher nie in ihrer Nähe getan hat. Aber sie hat es ihm erlaubt, damit er bei ihr sein kann, auch während er raucht. » ganz lesen

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publiziert am 11.07.17 in Paare ¦ 508x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Die geheime Stadt

Hinterm Dorf stieg die Wiese zum Wald zunächst sanft an hinter der Senke, durch der Fasanbach floß, dann steiler bis zu den erste Tannen. In dem Sommer, in dem Alfons neun Jahre alt wurde, waren er und seine Freunde jeden Nachmittag nach der Schule und in den Ferien jeden Tag mehrmals mit den Räder aufwärts gefahren und hatten einen Steg angelegt, um einfacher über das Gewässer zu gelangen, das in der warmen Jahreszeit nicht mehr war als ein Rinnsal, im Frühjahr aber durch das Schmelzwasser zu einem rauschenden Bach anschwoll. Auf den Gepäckträgern und ihren Rucksäcken transportierten die Jungen Baumaterial und Werkzeug, weil sie weit oben im Gehölz etwas errichten wollten. » ganz lesen

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publiziert am 09.07.17 in Paare ¦ 530x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Traumtänzer

Er rutschte in einen schwachen Schlaf. Weite Regionen seines Hirns blieben aktiv. Er erzählte sich stumme Geschichten, memorierte Kochrezepte und stellte passende Einkaufslisten auf. In einem weiteren Teil seines Bewusstsein aber rang er darum, endlich richtig einschlafen zu können. Dabei wurde ihm schleichend klar, dass er in diesem Halbwachzustand mindestens zwei Persönlichkeiten hatte; eine hyperaktive und eine träge. Er verfiel darauf, Schafe zu zahlen, rückwärts ab zehntausend. Aber während er Nummer achttausendneunhundertachtundsiebzig erreichte, lachte ihn das wachte Hirn einfach aus. Malena atmete gleichmäßig neben ihm. Das musste nicht bedeuten, dass sie im Gegensatz zu ihm in Tiefschlaf gefallen war. Ohne dass sie es je zugegeben hatte, wusste Tadé, dass sie nicht selten markierte, schlafend und nicht mehr ansprechbar zu sein. Tat er ja auch, um zu verhindern, dass sie das Bett verließ, um auf der Couch zu übernachten. » ganz lesen

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publiziert am 07.07.17 in Paare ¦ 411x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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