Die Seite 8

Letztes Wiedersehen

Sie liegt da wie früher. Halb auf der Seite, halb auf dem Bauch. Das rechte Bein gestreckt, die linke Fußsohle fest an die rechte Wade gepresst. Der Gesicht liegt auf dem einen Arm, der andere umschließt den Kopf. Die Brise, die durch den offenen Spalt der Terrassentür weht, bewegt den Vorhang. Sonnenstrahlen fallen auf ihren Körper und das Muster im Stoff malt Flecken auf ihre Haut. Dann dreht sie sich um. Immer noch diese sehr helle Haut, immer noch die Pigmentflecken. Er sieht die dritte Zitze in der Falte unter ihrer rechte Brust. Das Schamhaar nicht mehr dicht wie damals, nicht mehr so strahlend rot. Der Spalt scheint durch, aber am oberen Rand immer noch die kecke Locke. Sie hatten sich über dreißig Jahre aus den Augen verloren. Dann schrieb sie ihm eines Tages eine Mail: Ich komme in die Stadt, treffen wir uns? Beide nervös im Café. Dann den großen Spaziergang mit dem Hund durch den Park. Und dann waren sie wieder wie das Paar, das sich mit dreizehn, vierzehn Jahren jeden Tag gesehen hat, jeden Tag miteinander geredet hat, alles gemeinsam, blindes Verständnis. Und natürlich gingen sie dann zusammen, so nannte man das damals. » ganz lesen

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publiziert am 16.07.17 in Paare ¦ 455x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Nichts davon (3)

Und, Karl, was machen wir jetzt? Er hat ein besonderes Bett für sie angeschafft mit elektrischer Verstellung und es im Wintergarten aufstellen lassen. Die Türen sind geöffnet, und der warme Junihauch zieht hinein, wo er bei ihr sitzt und ihre Hand hält. Die Verletzung ist deutlich schlimmer als gehofft. Zwei Wirbel sind betroffen. Bea hat Lähmungserscheinungen und starke Schmerzen am Rückgrat. Schlafen kann sie nur auf der rechten Seite, also so wie sie noch nie in ihrem Leben im Bett gelegen hat. Die Prognosen sind nicht klar. Wissen Sie, Frau Dardai, in vielen ähnlich gelagerten Fällen erheilt alles, hatte Professor Langner gesagt, dann werden Sie wieder ganz die Alte. Aber manchmal… Sie hatte abgewunken: Will ich gar nicht wissen. Sag mir, Karl, wie soll’s weitergehen? Ihr Mann hat sich ein Zigarillo angezündet, etwas, was er früher nie in ihrer Nähe getan hat. Aber sie hat es ihm erlaubt, damit er bei ihr sein kann, auch während er raucht. » ganz lesen

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publiziert am 11.07.17 in Paare ¦ 447x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Die geheime Stadt

Hinterm Dorf stieg die Wiese zum Wald zunächst sanft an hinter der Senke, durch der Fasanbach floß, dann steiler bis zu den erste Tannen. In dem Sommer, in dem Alfons neun Jahre alt wurde, waren er und seine Freunde jeden Nachmittag nach der Schule und in den Ferien jeden Tag mehrmals mit den Räder aufwärts gefahren und hatten einen Steg angelegt, um einfacher über das Gewässer zu gelangen, das in der warmen Jahreszeit nicht mehr war als ein Rinnsal, im Frühjahr aber durch das Schmelzwasser zu einem rauschenden Bach anschwoll. Auf den Gepäckträgern und ihren Rucksäcken transportierten die Jungen Baumaterial und Werkzeug, weil sie weit oben im Gehölz etwas errichten wollten. » ganz lesen

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publiziert am 09.07.17 in Paare ¦ 462x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Traumtänzer

Er rutschte in einen schwachen Schlaf. Weite Regionen seines Hirns blieben aktiv. Er erzählte sich stumme Geschichten, memorierte Kochrezepte und stellte passende Einkaufslisten auf. In einem weiteren Teil seines Bewusstsein aber rang er darum, endlich richtig einschlafen zu können. Dabei wurde ihm schleichend klar, dass er in diesem Halbwachzustand mindestens zwei Persönlichkeiten hatte; eine hyperaktive und eine träge. Er verfiel darauf, Schafe zu zahlen, rückwärts ab zehntausend. Aber während er Nummer achttausendneunhundertachtundsiebzig erreichte, lachte ihn das wachte Hirn einfach aus. Malena atmete gleichmäßig neben ihm. Das musste nicht bedeuten, dass sie im Gegensatz zu ihm in Tiefschlaf gefallen war. Ohne dass sie es je zugegeben hatte, wusste Tadé, dass sie nicht selten markierte, schlafend und nicht mehr ansprechbar zu sein. Tat er ja auch, um zu verhindern, dass sie das Bett verließ, um auf der Couch zu übernachten. » ganz lesen

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publiziert am 07.07.17 in Paare ¦ 347x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Nichts davon (2)

Haben Sie überhaupt noch gesungen damals? Bea schüttelte den Kopf: Ich habe die Musik einfach beerdigt. So wie Gerd. Und weil ich keinen Beruf gelernt habe, fand ich nur einen Job als Kassiererin im Supermarkt. Meine Eltern waren inzwischen tot, meine große Schwester nach Neuseeland ausgewandert, zu alten Freunden hatte ich keinen Kontakt, und neue Freunde gab es nicht. Ich lebte allein in einer Anderthalbzimmerwohnung. Ohne Mann, ohne Kind, ohne Hund oder Katze. Mein Chef und die Kolleginnen wussten, dass ich mal ein erfolgreiche Schlagersängerin war, machten aber zum Glück kein Aufhebens davon. Es ging mir nicht schlecht, aber auch nicht gut. Wie Regine mich ausfindig machen konnte, weiß ich bis heute nicht. Man hatte sie beauftragt, mich zu finden, weil ich immer noch Inhaberin aller Rechte an der Aufnahme meines Songs war. Das war irgendwann im Sommer 1984. Da gab es diese Popmusiker aus England, die waren durch Zufall auf ein erstes Album gestoßen und wollten einen Remix von “Nichts davon” aufnehmen und dazu die von mir eingespielte Gesangsspur verwenden. Da musste ich sie enttäuschen, Peter K. war auch schon tot, sein Studio danach pleite gegangen, die ursprünglichen Bänder verschollen. Das teilte ich Regine mit, die es weitergab. Aber nach kaum einer Woche rief sie an und sagte: Die Jungs fragen, ob du nicht Lust hast, das Lied noch einmal aufzunehmen, zusammen mit ihnen. Den Rest dürften Sie kennen. » ganz lesen

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publiziert am 05.07.17 in Paare ¦ 452x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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