Die Seite 92

Zufrieden

Völlig überraschend kam eine Einladung von Thibaud. Er sei wieder zurück in der Stadt und habe sogar sein altes Haus wieder mieten können. Ulla wohne gleich um die Ecke. Es solle ein Fest sein so wie früher. Tatsächlich trafen wir alle beinahe gleichzeitig ein. Zu zehnt oder zwölft standen wir vor dem Tor und wussten nichts zu sagen. Der Garten war in einem guten Zustand, und innen hatte Thibaud umfangreiche Umbauten ausführen lassen. Das Erdgeschoss war zu einem einzigen großen Raum geworden, tragende Wände durch runde Stahlsäulen ersetzt. Ulla stand hinter der Küchentheke und war mit den letzten Handgriffen bei der Zubereitung des Essens beschäftigt – eine große, stille Frau, etwa in Thibauds Alter, die jedem einzelnen die Hand gab, aber wenig mehr als eine Begrüßungsfloskel von sich gab. » ganz lesen

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publiziert am 25.10.06 in Thibaud ¦ 1718x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Monaden

Irgendwann begann Thibaud damit, uns Mails zu schicken. Sie entsprechen in Inhalt und Stil den Vorträgen, die er früher bei unseren Gruppentreffen gehalten hatte. Nur Zilly und ich wussten, dass er mittlerweile mit Ulla einen Landgasthof betrieb, in einem öden Dorf in der Nähe der holländischen Grenze. Besuche hatte er sich allerdings verbeten, und er berichtete auch nicht über seine neue Existenz. Wir nahmen an, dass er selbst alle Aufgaben rund um die Küche übernommen hatte, und Ulla die Frau Wirtin gab. » ganz lesen

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publiziert am 07.08.06 in Thibaud ¦ 1748x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Talente

Tatsächlich hatte Thibaud auch nach drei Monaten immer noch mit keinem von uns geredet. Nicht einmal Hansherbert, der Thibaud völlig kritiklos bewunderte, hatte ihm diese Konsequenz zugetraut. Kurz bevor wie begannen, uns Sorgen um ihn zu machen, begann er, kurze Mails an uns alle zu schicken, wobei wir nicht sicher waren, ob jeder von uns bei allen Mails auf der Verteilerliste stand. Es gab da eine Nachricht, von der ich annahm, dass niemand außer mir sie erhalten hatte. Zu sehr spielte der Inhalt auf eine Diskussion an, die wir vor Jahren geführt hatten, kurz bevor Thibaud sich entschloss, wieder als Dozent zu arbeiten. Die Botschaft kam ohne Anrede und hatte folgenden Wortlaut: » ganz lesen

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publiziert am 04.07.06 in Thibaud ¦ 1685x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Legenden

“Jeder Mensch betreibt doch Legendenbildung über das eigene Leben – der eine, indem er viel redet, der andere, indem er schweigt,” sagte Thibaud und schwieg von diesem Augenblick an siebzehn Monate lang.
Hansherbert behauptete eines Abends, wir saßen beim Bier, er habe Thibaud gut verstanden. Wer ständig Anekdoten erzählt, selbst Erlebtes berichtet und die Geschichten ausschmückt oder erfindet, der muss fürchten, dass die Lügen eines Tages auffliegen. Und deshalb schweige Thibaud. “Blödsinn,” sagte Zilly, “er will sich durch sein Schweigen bloß wieder wichtig machen.”

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publiziert am 17.04.06 in Thibaud ¦ 1712x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Kinder machen

Zilly hatte mich gefragt, ob ich ihr ein Kind machen wolle. Irgendwie war ich heil aus der Situation herausgekommen, ohne eine Antwort geben zu müssen und ohne sie zu erzürnen. Ich fuhr spontan zu Thibaud, nicht um mit ihm die Sache zu diskutieren und seinen Rat einzuholen. Mir schien, dass einer seiner abgehobenen Monologe mich für ein paar Stunden aus diesem Dilemma befreien könnte. Ja, ich liebe Zilly sehr. Wir sind seit fast vier Jahren zusammen und es sieht so aus, als ob wir nicht nur vier weitere Jahre zusammenleben werden. Für weitreichende Pläne sind wir zu alt, unsere Niederlagen haben wir überlebt, wir wollen es uns eigentlich nur noch gut gehen lassen. Mir war immer klar, dass die Frage nach dem gemeinsamen Kind auftauchen würde. » ganz lesen

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publiziert am 31.03.06 in Thibaud ¦ 1667x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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