Neunddreißig bis sechsundvierzig

Er legte die Fotos auf dem Fußboden aus. Eins neben dem anderen in der Reihenfolge des Zeitpunkts, der jeweils automatisch in das Bild eingeblendet war. Auf Aufnahme neununddreißig sieht man den dunklen Eingang der Bar, sie hat geschlossen, alle Lichter sind ausgeschaltet. Ein großer dunkler Wagen fährt vor. Greiper meint, einen Audi A8 oder VW Phaeton zu erkennen. Ein Mann steigt aus dem Fond. Auf Bild einundvierzig ist das Auto weg, ein heller Stapel steht an der Tür der Bar, es könnten Zeitungen sein. Dann ein eher kleiner, untersetzter Mann, der einen schwarzen Kasten obenauf legt. Er hat sich auf Foto Nummer dreiundvierzig gebückt und hantiert an dem Stapel. Und das Bild sechsundvierzig besteht aus nichts als einem strahlenden Blitz in der Bildmitte und ganz viel schwarz drumherum – die Explosion. Der Hauptkommissar fasst für sich zusammen:

Ein Typ hievt einen hellen, rechteckigen Gegenstand, ungefähr einszwanzig hoch und vielleicht fünfzig Zentimeter im Quadrat aus einer Limousine, aus deren Rückbank er gesessen hat. Er platziert das Ding im Eingang der Bombar. Es könnte sich auch um einen Tank für einen Brandbeschleuniger handeln, der mit Papier umwickelt wurde, um seine Silhouette zu verschleiern. Der Mann lässt sich wieder wegchauffieren. Zwanzig Minuten später stellt ein anderer Kerl ein schwarzes Ding, etwa so groß wie eine Zigarrenkiste, oben auf den hellen Gegenstand. Das könnte die Zündvorrichtung sein. Dann fummelt er daran rum, was bedeuten könnte, dass er den Zünder mit dem Tank verbundet. Und dann: Kawumm. Stellt sich die Frage, wer die beiden Figuren waren. Und ob Hinz, die alte Drecksau, sich nicht nur die Fotos angeguckt hat, sondern live dabei war. Dann könnte er vielleicht Personenbeschreibungen liefern. Wenn er körperlich wieder in der Lage wäre, irgendetwas zu liefern.

Plötzlich wird ihm klar, weshalb ihm der dunkle Pkw so bekannt vorkam. Es könnte der Phaeton sein, mit dem vor wenigen Tagen der offizielle Barbesitzer, dieser ominöse Møre Åkelomme, bei ihm vorbeigeschaut hatte. Der Däne hatte sich ja auch fahren lassen und hatte im Fonds gesessen. Wenn der aber die Sprengung vorbereitet hatte, wer war dann sein Helfer? Lorenzo Bhy konnte es nicht sein, der war eher groß und hager. Irgendeine Person, die bisher noch keine Rolle gespielt hatte? Und warum hatte es der Täter, wenn es denn Møre Åkelomme war, so kompliziert gemacht?

publiziert am 23.07.12 in Völkerwanderung ¦ 829x gelesen ¦ noch kein Kommentar