Seine Freundin

Stell dir einen Typ am Biertisch vor. Anfang Fünfzig, eine ordentliche Wampe über ziemlich dünnen Beinen, imposanter Schädel, dichter, schwarzer Vollbart und eine dicke Brille mit dunklem Gestell. Nennen wir ihn Matthias. Wie er da so am Stehtisch draußen vor der Hausbrauerei steht und sein Bier trinkt. Er war mein Freund, und ungefähr einmal im Monat trafen wir uns da, um miteinander zu reden. Selten oder nie ging es um persönliche, um private Dinge. Meistens erzählten wir uns Geschichten über Ereignisse, die wir miterlebt oder beobachtet hatten, oder über die politische Situation oder was uns sonst aufgefallen war. Eigentlich sind wir erst sehr spät Freunde geworden. Über Jahre waren wir Kollegen, im Beruf auch Kontrahenten, aber im Streit lagen wir nie miteinander. Matthias hatte seine berufliche Laufbahn unter meiner Leitung begonnen. Später war er bei einem großen Unternehmen angestellt, während ich freiberuflich wirkte. Einige Male, eine Zeit lag sogar regelmäßig, schob er mir Aufträge zu. » ganz lesen

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publiziert am 02.04.18 in Paare ¦ 250x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Nicht mein Typ

Es war von Anfang an klar, dass wir Sex miteinander haben würden. Dabei war sie nicht mein Typ, und ich – wie ich später erfuhr – auch nicht ihrer. Im Gegenteil. Wir begegneten uns im Rahmen einer ziemlich großen Familienfeier, von der wir den größten Teil verpassten. Ich war der Einladung gefolgt, obwohl ich nicht die geringste Ahnung hatte, ob und wie ich mit den Gastgeber verwandschaftlich verbunden war. Eileen ging es ganz ähnlich. So war ich auch gar nicht erst zu dem Teil der Feier gegangen, die am Morgen stattgefunden hatte, irgendeine Taufe, Trauung oder Beerdigung. Das Fest am Nachmittag, das man irgendwo auf einem idyllischen Gutshof organisiert hatte, den man für so etwas mieten konnte, hatte ich mir auch geschenkt; es wären mir vermutlich zu viele Kinder dort gewesen. Also fand ich mich erst zur Party ein, so gegen elf. » ganz lesen

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publiziert am 15.03.18 in Paare ¦ 234x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Leben und Tod

In Wirklichkeit, sagte Thibaud unvermittelt, geht es doch um ganz was anderes. Und hielt inne. Wir warteten auf eine Fortsetzung des Satzes, eine Erläuterung, Erklärungen, Antwort, auf Argumente. Wir warteten darauf, dass er wie sonst zu einem Vortrag anheben würde, einem verschlungen Pfad aus Gedanken, Vorstellungen, aus ineinander verschachtelten Sätzen, die sich in Spiralen und Parabeln durch den Raum winden würden, bis am Ende niemand mehr weiß, wo der Ausgangspunkt lag. Aber Thibaud schwieg. Auf eine theatralisch-buddhistische Weise hatte er die Hände mit den Flächen nach oben vor sich auf den Tisch gelegt und fixierte einen Punkt an der gegenüberliegenden Wand. Wir alle ware unsicher, und eine Weile schwiegen auch wir. Bis Hanshubert aus dem Nichts heraus sagte, Ja,ja. Und Ellen mit einem Wißt ihr noch begann, über etwas zu reden, was mit Thibauds Statement nichts zu tun hatte. Aber in dem Augenblick, als Gernot oder einer der anderen aus der Runde auf das neue Thema einsteigen wollte, sprach Thibaud mit erhobener Stimme: Es geht um Leben und Tod. » ganz lesen

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publiziert am 15.03.18 in Thibaud ¦ 221x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Hahnenkampf

Es war eine dieser Gruppen, bei denen zwei Kerle das Wort führen und immer darauf schielen, ob die Frauen am Tisch sie toll finden. Leider hatten sich die fünf Männer und vier Frauen an dem langen Stehtisch in der Schwemme angesiedelt, an dessen Kopfende ich meinen Stammplatz habe. Und weil sonst nichts Besseres frei war, hatte ich mich dort niedergelassen. Die Herren redeten ständig ein bisschen zu laut und lachten zu heftig, und der eine versuchte ständig besonders witzig zu sein. Drei der Damen hockten nebeneinander auf der Bank wie die Hühner auf der Stange und gackerten kollektiv, wenn einer der Jungs einen lustigen Satz in die Runde geworfen hatte. Dann gingen zwei Frauen zusammen aufs Klo, die Sitzordnung veränderte sich, und plötzlich saß sie neben mir – wir beide übereck am Tischende. » ganz lesen

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publiziert am 16.02.18 in Paare ¦ 292x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Ein aufrechter Deserteur

Von seiner Vergangenheit erfuhren wir erst lange nach seinem Tod. Onkel Paul war nach dem Tod seiner Frau nach Holstein gezogen, in einen Ort, der zu groß war für ein Dorf und zu klein für eine Stadt. Dort galt er als der Kommunist. Mit dem evangelischen Pfarrer hatte er sich angefreundet und einige Nächte hindurch diskutiert, über Gott und die Welt. Der Pastor war es auch, der mir die Geschichte von Onkel Paul erzählte als ich nach Jahren zufällig in diesem Ort strandete. Mir fiel die bewegende Grabrede, die der Geistliche bei der Beerdigung gehalten hatte. » ganz lesen

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publiziert am 15.02.18 in Fotoalbum ¦ 290x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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