Geschlechtsreife Köter

clooney_schautDas ist ja nun ganz neu für uns, dass wir uns mit dem Sexleben der Hunde befassen müssen. Als wir Pina im Alter von 14 Monaten bekamen, war sie ja bereits sterilisiert. Diese Operation hatte aber dazu geführt, dass sie irgendwo zwischen den Geschlechtern lebte. Im Scherz sagten wir gelegentlich, sie sei ein Rüde „gefangen im Körper einer Hündin“. Denn sie legte allerlei Kerleverhalten an den Tag. So markierte sie ihr Revier nicht nur sorgfältig wie Hundemann, sondern hob beim Pinkeln in etwa drei Vierteln der Fälle das Bein. Auch im Kontakt mit Rüden benahm sie sich nicht selten eher wie ein Kollegin, denn wie ein schwaches Weib. Da sie aber ihrer Hormonmaschinerie beraubt war, konnten wir keine Erfahrungen rund um das Thema Läufigkeit sammeln. Und nun der Sloughi-Bub…

Es ist ja anfangs geradezu rührend zu sehen, wie die erdnussgroßen Hoden langsam wachsen und der dazugehörige Schniedel auch. Aber so lange Clooney im Kleinkindalter war, blieb diese Entwicklung folgenlos. Natürlich erinnere ich mich genau an den Tag, als er zm ersten Mal das Beinchen hob. Inzwischen spart er tatsächlich immer auch ein bisschen Pipi auf, um auf dem Weg durch sein Stammrevier an der Düssel und im Volksgarten hier und da ein wenig zu markieren. Wesentlich einschneidender ist aber, dass er beginnt, auf Rüden und Hündinnen unterschiedlich zu reagieren. Das ist noch nicht sehr auffällig, aber zu spüren. Und dann kommt es zu solchen Anekdoten wie mit der kaum älteren Berner Sennerhündin Luna, die dieser Tage kurz vor ihrer ersten Läufigkeit stand. Die beiden Junghunde kennen sich und begrüßen sich immer sehr freundlich. So auch dieses Mal. Aber Luna drehte und wand sich vor Clooney wie eine Tänzerin an der Stange. Und auch er war ganz aufgeregt und bohrte seine Nase tief in das Fell an ihrem Hintern. Als er wieder zum Vorschein kam – Luna hatte sich das ungerührt gefallen lassen – sah er aus als wollte er sagen: „Mmmh, keine Ahnung was das ist, aber es riecht super…“

Das ist neu, denn das hat er bei Hündinnen mitten während derer Läufigkeit noch nie getan. Wir haben es also mit einem sexuellen Wesen zu tun. Viele Eltern kennen das, wenn sie bei ihrem ersten Kind feststellen, dass sich in dieser Hinsicht etwas tut. Und weil Clooney als möglicher Genpool für ganze Scharen wunderschöner, schlauer und schneller Sloughis in Frage kommt, werden wir uns mit dem Thema befassen müssen. Einem Thema, über das jede Menge Horrorgeschichten kursieren. Es heißt oft, dass die Rüden völlig durchdrehen, wenn sie eine läufige Hündin riechen, dass sie ihr Revier nicht mehr nur markieren, wenn eine solche Dame unterwegs ist, sondern es mit Zähnen und Tatzen verteidigen und deshalb auch schon mal mit maximaler Aggressivität auf andere Rüden reagieren. An diesen Schoten stören mich zwei Dinge: die offensichtliche Übertreibung und die latente Männerfeindlichkeit. Denn der schlümme Rüde wird vorwiegend von Frauen kolportiert. Fragt man erfahrene Hunderlehrer und vor allem -innen, relativiert sich die Sache.

Zum einen werden nicht alle männlichen Töle im selben Maße verrückt, wenn sie Mädchenduft schnuppern – das variiert stark von Rasse zu Rasse und von Individuum zu Individuum. Zweitens hängt das mögliche Ausflippen der Pelzbuben natürlich auch mit seiner Ausbildung zusammen. Und hier ruht des Pudels Kern: Die Ausbildung des Hundes, das wird mir immer klarer, dreht sich um die Kontrolle seiner Triebe. Im Zweifel soll das Befolgen der Halterbefehle den stärkeren Reiz ausüben als der vorbeiflitzende Hase oder das geile Hundemädchen. Windhunden, also den Sichtjägern, sagt man einen unkontrollierbaren Jagdtrieb nach. Auch diese Sicht wird in den diversen Halterlegenden drastisch überhöht – es gibt das so’ne und solche. Zumal auch der stärkste Jagdtrieb über die Lebenszeit hinweg Schwankungen unterworfen ist. Beobachtbar ist lediglich, dass so gut wie kein Windhund nicht zuckt, wenn die Beute in Bewegung in sein Sichtfeld gerät, während der klassische Hütehund mit der Nase aufs zappelnde Kaninchen vor seinem Fang gestoßen werden muss. Die Ausbildung (oder auch Erziehung…) soll dafür sorgen, dass der Halter den Windhund daran hindern kann, dem Wild nachzujagen, wenn ihm aus menschlicher Sicht die Sache zu gefährlich erscheint … z.B. weil die Autobahn in der Nähe ist. Das kann man bei einem gut ausgebildeten Schnellköter auch erreichen.
Und so ähnlich stelle ich mir das inzwischen auch beim Kampf mit dem Geschlechtstrieb vor. Steigt Clooney der süße Duft der körperlichen Liebe in die Nase, soll es möglich sein, ihn daran zu hindern, der Hündin nachzulaufen und einen Besteigungsvesuch zu unternehmen. Momentan nehme ich an, dass das anfangs ähnlich stressig sein wird wie die Sache mit dem Jagdtrieb. Wir werden sehen…

publiziert am 08.02.14 in Windhund namens Clooney ¦ 549x gelesen ¦ noch kein Kommentar