Die Seite 10

Schlafende Hunde (18b)

Über Friederike wusste ich jetzt schon eine Menge, aber da waren noch viele Geheimnisse, die mich mehr verwirrten als neugierig machten. Während wir das Morgengrauen kommen sahen, mehr als einen Meter voneinander entfernt auf den Terrassenstühlen sitzend, fragte ich mich, ob es nicht besser für mich wäre, Friederike nicht näher kennenzulernen, diese merkwürdige Beziehung auslaufen zu lassen, einen Termin vorzuschützen und sie zu bitten, zu gehen, sie auf ein nächstes Treffen zu vertrösten. Was sollte denn entstehen? War ich verliebt? Mir wurde klar, dass ich keine Ahnung vom Verliebtsein und von der Liebe hatte. Wahrscheinlich ging es mir nur darum, nicht allein zu sein, einen warmen Arsch im Bett zu haben. Dabei waren wir seit unserer überraschenden Begegnung am Vortag noch gar nicht im Bett gelandet. Es wäre auch falsch gewesen, obwohl ich im Zwielicht des beginnenden Tages Phantasien von unseren Nächten während der Reise hatte, die mich erregten. Vielleicht wäre es der geeignete Test auf Zukunftstauglichkeit, jetzt Sex miteinander zu haben. » ganz lesen

publiziert am 19.10.15 in Schlafende Hunde ¦ 402x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Schlafende Hunde (18a)

Der Kaukasische Owtscharka ist ein Hund mit zwei Gesichtern. Er teilt die Welt in zwei Stücke: „meine Welt“ und „nicht meine Welt.“ Er ist ein unabhängiger, intelligenter, sturer, dominanter und loyaler Hund. Er kann sehr liebenswürdig und anhänglich sein, aber nur zu seiner Zeit. Er hat kaum den Wunsch einem einen Gefallen zu tun; er will seinem Herrn Gesellschaft leisten, macht aber nicht alles was man Ihm sagt. Owtscharkas mussten früher im Arbeitseinsatz Ordnung ohne menschliche Hilfe halten, z.B. wenn die Schafe Wasser tranken. Die Hunde sorgten dafür das die Schafe nur in kleinen Gruppen Wasser tranken, da sonst die ganze Quelle zerstört worden wäre. Deshalb kombiniert der Owtscharka die Eigenschaften von Mißtrauen gegen Fremde mit großer Sensibilität und einem klaren Talent für die Situationsbeherrschung. Diese Eigenschaft gibt ihm psychologisches Übergewicht. Ein Owtscharka akzeptiert es, wenn ein dominanter Hund oder Mensch die Kontrolle hat. Wenn er aber Unsicherheit bemerkt, dann will er dominieren.

Es war aber nicht alles gelogen. Tatsächlich hatte schon als kleines Kind eine große Vorliebe für die Bühne, dafür, dass richtig lebende Menschen da oben zappeln und nicht bloß bunte Schatten auf einem Bildschirm. Sie hasste das Fernsehen, sie hasste jede Art von Mattscheibe. Deshalb erzählte sie immer, sie habe Schneiderin gelernt, wo sie in Wirklichkeit doch eine öde Ausbildung als Fremdsprachenkorrespondentin absolviert hatte, wo sie dann eben Tag für Tag vor einem Monitor gesessen hatte. Und das mit ihrem ersten Mal das sei frei erfunden, das habe sich in der echten Welt ganz anders zugetragen, das werde sie mir ein anderes Mal erzählen, auch wenn es ziemlich unspektakulär abgelaufen sei. » ganz lesen

publiziert am 17.10.15 in Schlafende Hunde ¦ 1283x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Schlafende Hunde (17)

Die Französische Bulldogge ist in der Regel weder Raufer noch Kläffer oder Jäger. Sie ist hitze- und kälteempfindlich und hat eine Lebenserwartung von 8 bis 10 Jahren. Der Bully ist muskulös, beweglich und drahtig, sein Haar ist fein, kurz und glänzend. Die Haltung der Französischen Bulldogge ist fast überall möglich, auch und gerade in der Großstadt, sofern der kurzläufige und kurzatmige Hund nicht zu viele Treppen steigen muss. Für die Haltung im Zwinger ist er absolut ungeeignet, er braucht unbedingt viel Zuwendung. Er ist ein pflegeleichter und unkomplizierter Begleit- und Gesellschaftshund, der auch für den Hundeanfänger und Familien mit Kindern geeignet ist.

Es ist einfach, Vorurteile gegen Taxifahrer zu entwickeln. Vorurteile, die je nach Breite und Tiefe der einschlägigen Erfahrungen an den Rändern in Richtung Rassismus ausfransen können. Eigentlich fahre ich gerne Taxi, es ist ein Luxus, den ich immer genossen habe – jedenfalls seitdem ich es mir leisten kann, jederzeit bei Bedarf eines zu rufen und mich chauffieren zu lassen. Es gab einen Zeitpunkt vor einigen Jahren, ab dem mir nach und nach die Freude am Taxifahren verleidet wurde. Wie soll jemand, der seine Heimatstadt nie länger als ein halbes Jahr verlassen hat, ertragen können, wenn ein Fahrer den Weg von A nach B, den Taxichauffeure seit Jahrzehnten auf die immer gleiche Art nehmen, ignoriert und bei der Ankunft ein um mindestens zwanzig Prozent höherer Betrag auf der Uhr steht als sonst? Wenn der Mann am Steuer einen nach der Angabe des Fahrtziels verständnislos anschaut und fragte: Wo iss dassen? Wenn der Herrscher des Wagens das Fenster, das man ein wenig geöffnet hat, ferngesteuert wieder schließt, ohne auch nur etwas dazu zu sagen? Wenn be-hauptet wird, man können auf einen Hunderter nicht herausgeben, da müsse man eben bei einer Tankstelle zum Wechseln vorbeifahren, das würde aber extra kosten? » ganz lesen

publiziert am 15.10.15 in Schlafende Hunde ¦ 672x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Schlafende Hunde (16b)

Alles hängt mit allem zusammen, behaupten die Theoretiker des Chaos. Nichts ist mit nichts verbunden, finde ich. Natürlich ist diese Aussage pure Provokation, denn das Gesetz von Ursache und Wirkung zu leugnen, hieße die Physik, die uns laufen lässt, zu negieren. Trotzdem erlebe ich persönlich eher den Zufall als die Determination. Das mag an meinem beschränkten Horizont liegen, an meinem Mangel an Intelligenz und Geduld, Eigenschaften, die nötig sind, um Ereignisse in größere Zusammenhänge zu stellen. Der größtmögliche Zusammenhang, den zu überblicken ich in der Lage bin, ist mein eigenes bisschen Leben. Ich wurde geboren. In eine kleinbürgerliche Welt. Geordnete Verhältnisse bis zum sechzehnten Lebensjahr. Familienfeiern mit Onkel und Tanten, Ferien in Bayern. Eltern, die sich immerhin kaum stritten, sich vielleicht sogar liebten. Klare Unterschiede, klare Rollen. Meine Mutter mit dem Hintergrund von vier Volksschuljahren und sechs Jahren als Telefonistin im Krieg, mein Vater mit einem Notabitur und unbändigem Ehrgeiz, der sich per Fernstudium in die Juristerei hineingebohrt hatte und schließlich Volljurist wurde. Syndikus bei einer Großbäckerei. Bescheidener Wohlstand. Dann starb mein Vater nach einem halben Jahr Krankheit. Das Ende der Gemütlichkeit. Vermutlich deshalb eine konfliktfreie Pubertät, kein Grund zum Widerstand. Ich blieb brav. Keine Drogen. Glatt durch die Schulzeit. Und so weiter. Jetzt frage ich mich, ob und was genau anders verlaufen wäre, hätte sich mein Vater nicht knapp drei Wochen vor meinem sechzehnten Geburtstag final verabschiedet. Hätte er mich angetrieben? Damit was aus mir wird? Hätte er mir gute Ratschläge geben können? Hätten wir Streit miteinander bekommen, schweren, lang andauernden Streit, der im totalen Zerwürfnis geendet wäre? Wer wäre ich jetzt? » ganz lesen

publiziert am 13.10.15 in Schlafende Hunde ¦ 2788x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Schlafende Hunde (16a)

Der Dalmatiner verfügt über ein angenehmes Wesen, freundlich, nicht scheu oder zurückhaltend und frei von Nervosität und Aggressivität. Er ist ein Laufhund. Im Hause ruhig und im Freien temperamentvoll. Aus diesem Grund benötigt er eine aktive Familie und eine konsequente Erziehung ohne viel Druck. Der Dalmatiner nimmt eine zu harte Erziehung übel, was sich dadurch äußert, dass er dazu neigt, auf stur zu schalten. Das Rudel (Familie) ist für den Dalmatiner sehr wichtig. Er will immer dabei sein und reagiert sensibel auf Spannugen. Er eignet sich daher weder für berufstätige Leute oder die Zwingerhaltung. Von Anfang an muss die Rangordnung innerhalb der Familie klarstehen, auch bei den Kindern, dass der Hund rangniedrigst ist. Vereinzelt kommen immer wieder Dominanzprobeme vor, (nicht geschlechtsabhängig) weil der Dalmtiner sich in der familiären Rangordnung nach oben schiebt, schon allein, weil sich die Familie nicht einig ist, was der Hund darf und was nicht. Der Hund merkt solche Unstimmigkeiten sofort und macht sich seine eigenen Regeln.

Dann brachen sich die anwesenden Hormone und die damit verbundenen Frustrationen Bahn. Schon bevor die Frau mit dem Greyhound auf meinem Radar aufgetaucht war, hatte ich einen auffälligen Mann im Visier. Ein großer Kerl, lateinamerikanischer Typ, schwarzer Anzug, und zwar vom Feinsten, weißes Hemd, keine Krawatte. Er war in Begleitung von drei menschlichen Bulldoggen aufgetreten, eine ging voraus, die beiden anderen hinter ihm. Ich schwöre, alle Augen aller anwesenden Frauen zwischen sechzehn und sechzig verfolgten jeden seiner Schritte bis er einen Stehtisch unter der großen Kastanie erreicht hatte. Er sah wirklich verdammt gut aus und strahlte einen Reichtum aus, der ins Märchenhafte spielte. Seinen Gesichtsausdruck, den er übrigens die ganze Zeit beibehielt, würde ich als wohlwollend überlegen bezeichnen. Er sprach nicht mit seinen Wachhunden, bestellte auch nicht beim Kellner, das übernahm einer seiner Begleiter, derjenige, der passend zur Glatze auf dem Quadratschädel eine beeindruckenden Narbe im Gesicht trug. Man servierte Champagner von der teuren Sorte. » ganz lesen

publiziert am 11.10.15 in Schlafende Hunde ¦ 341x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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