Die Seite 10

Metin und Denise

Als sich Metin in Densise verliebte, bekam niemanden aus seinem Umfeld es mit. Die Menschen, mit denen er zu tun hatte, hätten es auch nicht verstanden. Zu unmöglich war diese Liebe. Damals lebte er im Haus seines Cousins Can in einem Vorort. Drei Jahre zuvor war seine Frau gestorben. Der einzige Sohn hatte seine Eltern schon mit siebzehn verlassen und war in das Dorf an der Schwarzmeerküste zurückgekehrt, in dem seine Großeltern wohnten. Außer Can, seiner Frau, den sechs Kindern und ihm hatten noch zwei Neffen und der alte Onkel Zimmer im Haus. Metin war einundvierzig und arbeitete seit mehr als zwölf Jahren als Busfahrer. Als er an einem sonnigen Junimorgen Denise in ihrem Rollstuhl an der Endhaltestelle sah, tat er, was vorgesehen war. Er holte die Rampe aus ihrem Fach, legte sie am mittleren Ausstieg an und half ihr in den Bus zu kommen. Dabei achtete er nicht besonders auf die junge Frau. Drei Haltestellen lang waren sie allein im Bus, und er bemerkte, dass sie ihn über den Spiegel genau beobachtete. Ihre schwarzen Augen begannen, ihn zu hypnotisieren, sodass er froh war, als weitere Fahrgäste zustiegen. » ganz lesen

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publiziert am 05.01.17 in Paare ¦ 196x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Herr Schilling und Jullie

Sich selbst hält Herr Schilling für ganz normal. Aus seiner Sicht führt er ein normales Leben, hat einen normalen Beruf, normale Hobbys, eine normale Familie und so weiter. Eine Vorstellung davon, was andere Leute von ihm halten, hat er nicht. Auch kann er nichts damit anfangen, wenn ihn jemand gelegentlich Spießer nennt oder Langweiler. Ihm hat der Ausdruck Otto Normalverbraucher immer gut gefallen. Wobei ihm nie ganz klargeworden ist, was das Normale mit dem Verbrauchen zu tun hat. Eigentlich führt Herr Schilling so lange er denken kann ein normales Leben und ist sehr zufrieden damit. Inzwischen hat er eine Frau, zwei Kinder, einen Passat als Dienstwagen und ein Eigenheim. An Umstände, über die sich andere vielleicht beklagen würden, hat er sich gewöhnt. » ganz lesen

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publiziert am 01.01.17 in Paare ¦ 222x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Luise und Cho

Manchmal ist sich Luise nicht sicher, ob sie sich die ganze Geschichte nur eingebildet oder ausgedacht hat, ob es überhaupt eine Person namens Cho gab. Ob sie diese Person überhaupt gekannt hat. Ob sie Cho jemals begegnet war. Ihr ist bisweilen nicht einmal klar, ob sie je in Shanghai war. Ob sie sich dort in Cho verliebt hat. Und er sich in sie. Aber ganz unabhängig davon, ob es diese Begebenheit gegeben hat, weiß sie, dass die Sache massiven Einfluss auf ihr Leben hatte. In ihrer Erinnerung ist sie 1943 als junges Mädchen, kaum zwanzig Jahre alt, mit ihren Eltern nach China gekommen, die dort als geduldete Missionare wirkten. Dass sie rasch Mandarin gelernt hat und auf die katholische Mädchenoberschule gegangen ist, obwohl Vater und Mutter Baptisten waren. » ganz lesen

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publiziert am 31.12.16 in Paare ¦ 223x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Die Familie J. (2)

Die Mutter hatte Jennifer bei ihrer Schwester in Stolberg untergebracht. Tante Maria hatte eine Schneiderei mit drei Angestellten und fertigte vor allem Hochzeitskleider für das Landvolk in der Umgebung. Ihr Ruf reichte bis rüber nach Belgien. Und obwohl Jenny keine formale Schulausbildung hatte, nahm Maria sie als Lehrling an und ermöglichte es ihr, neben bei den Hauptschulabschluss nachzuholen. Für die Sechzehnjährige war das Leben in der kleinen Stadt unter diesen Bedingungen sehr anstrengend, aber immer noch besser als die letzten Jahre in der Kommune. Sie lernte Normalität kennen. Aber bald eckte sie regelmäßig mit ihrem Verhalten an, das durch eine Kindheit in der Sekte, die völlig außerhalb der bürgerlichen Gesellschaft existiert hatte, geprägt war. Freiheit war der zentrale Begriff, den sie gelernt hatte, obwohl es unter dem Regime des Gurus individuelle Freiheiten nicht gegeben hatte. Aber mit allem, was man so tat, wie man sich benahm und kleidete, hatte sie Probleme. Hippie-Schlampe war noch die netteste Bezeichnung, die Gleichaltrige für sie hatten. Nur die Kolleginnen, lauter Frauen, deren Familien aus dem mittleren Osten stammten, nahmen keinen Anstoß an Jennys ungewöhnlichen Tun. » ganz lesen

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publiziert am 17.12.16 in Paare ¦ 253x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Die Familie J. (1)

Er umklammert das Lenkrad, dass die Knöchel weiß werden. Ist wütend, weil er gar nicht hier sein will im Stau. Jetzt stehen sie schon seit fünfunddreißig Minuten auf der A5. Umgeben von lauter anderen Idioten mit merkwürdigen Kennzeichen. Jennifer lehnt benommen auf dem Beifahrersitz an der Seitenscheibe. Die Kinder hängen stumm in ihren Isofix-Sitzen auf der Rückbank. Nachdem sie sich vorher gut zwei Stunden nur gestritten haben, sich gegenseitig das Spielzeug an die Köpfe geworfen, geweint, geschrien. Die Klimaanlage schafft es kaum noch, die Hitze draußen zu halten. Das Außenthermometer zeigt fast fünfunddreißig Grad an diesem ersten Ferientag in dieser Region. Jens fand die Idee von Anfang blöd. Ihre erste gemeinsame Reise nach so vielen Jahren noch einmal zu machen, dieses Mal mit den Kindern. Ihn reizte es überhaupt nicht, noch einmal auf der Insel Camping zu machen. Damals war es gut, aber es würde sich nicht wiederholen lassen. Die Fähre in Genua würden sie ohnehin nicht mehr pünktlich erreichen, aber man kann ja jetzt online umbuchen. » ganz lesen

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publiziert am 14.12.16 in Paare ¦ 239x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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