Die Seite 12

Dummschwätzer

“Cooka Jones ist ein Dummschwätzer,” sagte der schwarze Mann und reckte sich auf seinem quietschenden Bürostuhl, “Cooka Jones wwar schon immer ein Dummschwätzer, ist ein großer Dummschwätzer und wird immer ein Dummschwätzer bleiben.” Greiper drehte am Ring, den er zum ersten Mal an der linken Hand trug: “Und Sie werden mir sicher auch verraten, warum Cooka Jones ein Dummschätzer ist.” Der Afrikaner drehte sich hin und her und ließ dabei den Stuhl quietschen. “Cooka Jones ist ein Dummschwätzer, weil er dummes Zeug schwätzt.” – “Geht’s ein bisschen präziser?” Der schwere dunkle Kerl hatte sich vorgebeugt und legte sein dicken Oberarme auf den Schreibtisch. “Klar geht’s präziser.” » ganz lesen

publiziert am 29.04.11 in Exil am Platz ¦ 189x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Schnäuzer

“Der Schnurrbart muss ab”, sagte Elle. Robert drehte sich weg und brummte. Wie er sich meist wegdrehte und brummte, wenn ihm jemand etwas vorschlug oder verbot. “Oder wartest du darauf, dass Schnäuzer wieder modern werden. Vollbärte sind es ja schon…” Hauptkommissar Greiper benutzte diese Methode auch oft in Vehören, wenn der Befragte log oder dummes Zeug redete. Jetzt drehte er sich um weiter neunzig Grad nach links und brummte noch einmal. Er blickte über die Dächer seines Viertels und auf den Park dahinter und überlegte, ob er nicht ein bisschen spaziergehen sollte. “Ist ja mit deinem Motorrad so ähnlich”, setzte seine Freundin fort, “als niemand mehr Zweirad fuhr, hast du deine erste Maschine gekauft, und jetzt wo nur noch alte Säcke auf ihren Bikes cruisen – wie sie sagen – hast du deine Kiste eingemottet.” Gute Idee, dachte Robert, ich geh gleich mal runter in die Tiefgarage und seh nach der Guzzi.

publiziert am 23.04.11 in Exil am Platz ¦ 178x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Sisyphos ist müde

Schon vor Jahren hatte Thibaud damit kokettiert, er sei ein moderner Sisyphos und sein Glück bestünde darin, sich immer und immer wieder anzustrengen und zu engagieren für Projekte, die dann doch irgendwann den Bach runter gingen. Heinzhubert hatte ihn daraufhin auf seine küchenpsychologische Art als Mensch mit einer manisch-depressiven, also bipolaren Persönlichkeitsstörung bezeichnet. Was ihm beinahe eine Tracht Prügel eingetragen hätte.
Dieser Tage traf sich die Gruppe nach einigen Monaten wieder fast in ihrer ursprünglichen Besetzung. Der Landgasthof hatte einen neuen Wirt, und in der Küche führte Isa das Regiment, die wir noch aus dem “Perl” in bester Erinnerung hatten. Nach und nach trafen die Freunde ein, und gegen achtzehn Uhr waren wir komplett. Man bestellte, aß, trank und redete. Thibaud sah alt aus. Alt, nicht krank oder erschöpft. “Eigentlich”, sagte Zilly, “sieht er jetzt so alt aus wie er ist.” » ganz lesen

publiziert am 31.01.10 in Thibaud ¦ 875x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Ungeliebte Bürgersöhnchen

“Sie sind das Schlimmste in dieser Gesellschaft”, rief Thibaud, und wir ahnten, was kommen würde. Tatsächlich begann er einen Tirade gegen die Heuchler, die männlichen, die mit dem Silberlöffel im Maul geborenen, die sich um ihre Zukunft nicht sorgen müssen, ist ihnen ein Erbe doch sicher. “Und da rennen sie nun sinnlos rum, tun sinnlose Dinge, machen was mit Medien, mit Kommunikation oder mit Kunst, um sich ein unbürgerliches Gefühl zu geben. Denn im Grunde werden sie von ihrem schlechten Gewissen hin und her gezerrt. Dass sie vom Säuglingsalter an frei von materiellen Sorgen leben konnte, während andere strampeln und hampeln, um ein bisschen menschenwürdiges Leben zu ergattern. Deshalb werden sie dann Sozialdemokraten, die Bürgersöhnchen. Das beruhigt, weil sie sich auf der richtigen Seite wähnen. Denn neben dem schlechten Gewissen werden diese kleinen, nichtswürdigen Schwanzträger von der Angst gesteuert, die Unterschicht könnte sich gegen sie wenden, ihnen wehtun und etwas wegnehmen. » ganz lesen

publiziert am 07.12.09 in Thibaud ¦ 685x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Widerstand

“Und,” fragte Thibaud in die Runde, “was wollen wir jetzt tun? Wie sollen wir Widerstand leisten?” Nach den letzten Wahlen hatte man uns durch allerlei Repressalien in den Untergrund gedrängt, und wir trafen uns nicht mehr in Kneipen oder Bars oder in unseren Privatwohnungen. Olivia hatte ein verfallenes Haus am Rande des Friedhofs entdeckt, das über einen intakten Kellerraum verfügte. Dort hielten wir seit dem Monat, der die Hälfte der Legislaturperiode bezeichnete, unsere konspirativen Besprechungen ab. Auf den Kontakt per Mobiltelefon und Internet hatten wir schon vor längerem verzichtet – da hatte die Partei, die sich angeblich für Bürgerrechte einsetzt, den Vorschlägen für die flächendeckende Überwachung ergeben und den entsprechenden Gesetzen zugestimmt. Unsere Depression war nun der Wut gewichen und der Einsicht, dass wir etwas tun müssten. “Militanz kommt nicht in Frage!” warf Hanshubert ein, unser Wackelkandidat, denn als Besserverdiener hatte er deutlich von den Steuersenkungen der Regierung profitiert. » ganz lesen

publiziert am 28.09.09 in Thibaud ¦ 755x gelesen ¦ noch kein Kommentar

blättern: « 1 ... 11 12 13 ... 24 »