Die Seite 21

Schlafende Hunde (16b)

Alles hängt mit allem zusammen, behaupten die Theoretiker des Chaos. Nichts ist mit nichts verbunden, finde ich. Natürlich ist diese Aussage pure Provokation, denn das Gesetz von Ursache und Wirkung zu leugnen, hieße die Physik, die uns laufen lässt, zu negieren. Trotzdem erlebe ich persönlich eher den Zufall als die Determination. Das mag an meinem beschränkten Horizont liegen, an meinem Mangel an Intelligenz und Geduld, Eigenschaften, die nötig sind, um Ereignisse in größere Zusammenhänge zu stellen. Der größtmögliche Zusammenhang, den zu überblicken ich in der Lage bin, ist mein eigenes bisschen Leben. Ich wurde geboren. In eine kleinbürgerliche Welt. Geordnete Verhältnisse bis zum sechzehnten Lebensjahr. Familienfeiern mit Onkel und Tanten, Ferien in Bayern. Eltern, die sich immerhin kaum stritten, sich vielleicht sogar liebten. Klare Unterschiede, klare Rollen. Meine Mutter mit dem Hintergrund von vier Volksschuljahren und sechs Jahren als Telefonistin im Krieg, mein Vater mit einem Notabitur und unbändigem Ehrgeiz, der sich per Fernstudium in die Juristerei hineingebohrt hatte und schließlich Volljurist wurde. Syndikus bei einer Großbäckerei. Bescheidener Wohlstand. Dann starb mein Vater nach einem halben Jahr Krankheit. Das Ende der Gemütlichkeit. Vermutlich deshalb eine konfliktfreie Pubertät, kein Grund zum Widerstand. Ich blieb brav. Keine Drogen. Glatt durch die Schulzeit. Und so weiter. Jetzt frage ich mich, ob und was genau anders verlaufen wäre, hätte sich mein Vater nicht knapp drei Wochen vor meinem sechzehnten Geburtstag final verabschiedet. Hätte er mich angetrieben? Damit was aus mir wird? Hätte er mir gute Ratschläge geben können? Hätten wir Streit miteinander bekommen, schweren, lang andauernden Streit, der im totalen Zerwürfnis geendet wäre? Wer wäre ich jetzt? » ganz lesen

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publiziert am 13.10.15 in Schlafende Hunde ¦ 2948x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Schlafende Hunde (16a)

Der Dalmatiner verfügt über ein angenehmes Wesen, freundlich, nicht scheu oder zurückhaltend und frei von Nervosität und Aggressivität. Er ist ein Laufhund. Im Hause ruhig und im Freien temperamentvoll. Aus diesem Grund benötigt er eine aktive Familie und eine konsequente Erziehung ohne viel Druck. Der Dalmatiner nimmt eine zu harte Erziehung übel, was sich dadurch äußert, dass er dazu neigt, auf stur zu schalten. Das Rudel (Familie) ist für den Dalmatiner sehr wichtig. Er will immer dabei sein und reagiert sensibel auf Spannugen. Er eignet sich daher weder für berufstätige Leute oder die Zwingerhaltung. Von Anfang an muss die Rangordnung innerhalb der Familie klarstehen, auch bei den Kindern, dass der Hund rangniedrigst ist. Vereinzelt kommen immer wieder Dominanzprobeme vor, (nicht geschlechtsabhängig) weil der Dalmtiner sich in der familiären Rangordnung nach oben schiebt, schon allein, weil sich die Familie nicht einig ist, was der Hund darf und was nicht. Der Hund merkt solche Unstimmigkeiten sofort und macht sich seine eigenen Regeln.

Dann brachen sich die anwesenden Hormone und die damit verbundenen Frustrationen Bahn. Schon bevor die Frau mit dem Greyhound auf meinem Radar aufgetaucht war, hatte ich einen auffälligen Mann im Visier. Ein großer Kerl, lateinamerikanischer Typ, schwarzer Anzug, und zwar vom Feinsten, weißes Hemd, keine Krawatte. Er war in Begleitung von drei menschlichen Bulldoggen aufgetreten, eine ging voraus, die beiden anderen hinter ihm. Ich schwöre, alle Augen aller anwesenden Frauen zwischen sechzehn und sechzig verfolgten jeden seiner Schritte bis er einen Stehtisch unter der großen Kastanie erreicht hatte. Er sah wirklich verdammt gut aus und strahlte einen Reichtum aus, der ins Märchenhafte spielte. Seinen Gesichtsausdruck, den er übrigens die ganze Zeit beibehielt, würde ich als wohlwollend überlegen bezeichnen. Er sprach nicht mit seinen Wachhunden, bestellte auch nicht beim Kellner, das übernahm einer seiner Begleiter, derjenige, der passend zur Glatze auf dem Quadratschädel eine beeindruckenden Narbe im Gesicht trug. Man servierte Champagner von der teuren Sorte. » ganz lesen

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publiziert am 11.10.15 in Schlafende Hunde ¦ 507x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Schlafende Hunde (15)

Der Golden Retriever ist ein intelligenter, freudig arbeitender Hund, dem auch extreme, nasskalte Witterungsbedingungen nichts ausma-chen. Dem steht allerdings eine relativ starke Empfindlichkeit hin-sichtlich hoher Temperaturen gegenüber. Grundsätzlich ist die Rasse ruhig, geduldig, aufmerksam und niemals aggressiv. Sein Schutztrieb ist im Vergleich zu anderen Hunderassen – wenn überhaupt – nur rudimentär entwickelt. Das unter Retriever-Haltern bekannte Sprichwort: „Ein Golden vertreibt keinen Einbrecher; stattdessen freut er sich über den Besuch und hilft jenem die Wertsachen aus dem Haus zu tragen“ kennzeichnet die meisten Hunde dieser Art recht gut. Wie nahezu jede Hunderasse kann auch der nicht erzogene bzw. nicht fachmännisch zur Jagd ausgebildete Golden Retriever zum Wildern oder Streunen neigen. Allerdings ist er meist nicht wildscharf.

Schnell waren meine Gedanken bei Friederike, und ich frage mich, warum. Denn Männer denken normalerweise nicht an Frauen, mit denen sie was hatten, die aber verschwunden sind. Was weg ist, ist weg. Und: die Nächste, bitte… Frauen sind da ganz anders: Hatte man mehr als zwei- oder dreimal Sex mit ihnen, betrachten sie die Sache als Beziehung mit Potenzial in Richtung Liebe. Geht man auseinander ohne abschließende Diskussion, entwickeln sie einen starken Drang zur Klärung. Inzwischen hatten Maya und ich die Richtung gewechselt und kamen zuhause an. » ganz lesen

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publiziert am 09.10.15 in Schlafende Hunde ¦ 814x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Schlafende Hunde (14)

Der Yorkshireterrier ist ein winziger Wolf im winzigen Schafspelz. Er ist ein echter Terrier, mutig, mit einer Schnauze voller spitzer Zähne. Trotz seines heutigen Lebens als Luxushund hat er noch viel von seinen Ahnen geerbt: Diese waren Ungeziefervertilger und Wettobjekte im Kampf Hund gegen Ratten. Natürlich ist er heute in erster Linie ein ausgesprochen liebenswerter Hausgenosse, aber auch ein passabler, aufmerksamer Wachhund, selbst von größeren Hunden oder fremden Menschen lässt er sich nicht weiter beeindrucken. Da es ihm nicht an Selbstsicherheit fehlt, gefällt sich der Yorkshireterrier im Ausstellungsring, wo er durchaus die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken versucht.

Dafür war ich dann morgens um halb sechs hellwach und stocknüchtern. Nach einer guten Dusche nahm ich Maya an die Leine. Zweiundneunzig Stufen abwärts. Aus der Tür, rechts rum, denn sie wusste ihren Weg. Im Park steuerte ich das Ende der großen Wiese an. Ich ließ Maya von der Leine. Sie schoss los, drehte ein paar richtig schnelle Runden und kam fröhlich hechelnd zurück zu der Bank, auf der ich mich niedergelassen hatte in der frühen Morgensonne, die hinter dem Dunst ihr Bestes gab. Ich drehte mir eine Zigarette von dem staubtrockenen Tabak, den ich in einer Schublade gefunden hatte, und rauchte sie in ein paar Sekunden weg. Mein Hund war inzwischen auf Erkundung. Es war ein friedlicher Augenblick, und ich war nicht allein. » ganz lesen

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publiziert am 07.10.15 in Schlafende Hunde ¦ 813x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Schlafende Hunde (13)

Im Süden Italiens hütet der Cane Corso sehr oft noch Rinder und Schafe. Er wird aber auch als Schutz- und Wachhund sowie als Polizeihund eingesetzt. Das ist aber eher die Ausnahme, denn die meisten Cane Corso sind Begleithunde und erfreuen den Besitzer in der Freizeit. Die imposante Erscheinung, sein angenehmes Wesen und seine Kinderfreundlichkeit haben den familien-bezogenen Hund in Italien viele Liebhaber finden lassen. Fremden gegenüber ist er zurückhaltend, besitzt aber eine hohe Reizschwelle. Mit anderen Hunden hat er kaum Probleme, wenn er im Welpenalter den Umgang mit anderen Hunden gelernt hat. Auf die Prägung und Sozialisierung des Welpen ist wie bei allen großen Hunderassen in den ersten 14 Wochen besonders Wert zu legen. Er ist ein intelligenter und bewegungsfreudiger Hund, der oft in seinem Bewe-gungsdrang gebremst werden muss. Besonders beim Spielen kann man sein Temperament erleben. Das Zentrum einer Großstadt ist für einen Cane Corso ebenso ungeeignet wie die Haltung in einer kleinen Wohnung.

Yvonne empfing mich im weißen Sommerfähnchen auf der Terrasse. Sie erhob sich mir zu Ehren und stutzte gleich ein bisschen als sie Maya sah. Mein Lieber, säuselte sie und bot mir die Wangen für Bussis dar. Meine Liebe, konterte ich und schmatzte sie links und rechts. Dein Hund? Ja, das ist Maya, die hab ich aus Spanien mitgebracht. Ah ja, kommentierte Yvonne, und ich dachte, du hättest es nicht so mit Hunden. Korrekt, gab ich zurück, aber das hat sich geändert, eine lange Geschichte, weißt du… Sie nahm das erst einmal hin, bot mir einen Platz am Tisch unter der Kastanie an und rief nach Concepta. Die peruanische Dienstmagd freute sich tierisch mich zu sehen. Mit spitzen Entzückensschreien warf sie sich auf Maya, die keine Zeit hatte, zu entkommen. Nachdem sie mehrfach auf spanisch zum Ausdruck gebracht hatte, was für ein wunderbarer Hund das sei, nahm sie die Order ihrer Herrin entgegen. Minuten später servierte sie ein kühles Getränk aus mir unbekannten Zutaten und baute je eine Porzellanschüssel mit Dosenfutter und Wasser vor Maya auf. Isse ßu dünn, bemerkte sie noch und verzog sich ins Haus. » ganz lesen

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publiziert am 05.10.15 in Schlafende Hunde ¦ 460x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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