Die Seite 35

Haut und Knochen – Teil 1

Eigentlich hätte sie es nicht nötig gehabt, Möbel bei AMEK zu kaufen. Zumal sie sich in ihrem tiefdunkelblauen Business-Kostüm äußerst deplatziert vorkam in der Filiale unweit der Autobahngabelung, an der sich die A93 von der A9 abspaltet. Im Parkhaus würde sicher niemand bemerken, dass ihr TT Roadster eine Sonderlackierung trug, die sie ihren Geschäftsfreunden mit dem altmodischen Wort chamois beschrieb, obwohl cremefarben die Sache vielleicht eher getroffen hätte; dafür war der Ton allerdings ein bisschen zu dunkel.
Und trotzdem hatte sich die Inhaberin einer privaten Arbeitsvermittlung mit Sitz in Ingolstadt, die sich eine Menge auf ihre gutbürgerliche Herkunft und den damit verbundenen sicheren Geschmack einbildete, in diesen Einrichtungsparadies verirrt, in dem es von Staatsdienern und alleinerziehenden Müttern nur so wimmelte. Tatsächlich galten ihre Ressentiments vor allem den Kleinbürgern und Beamten. Da waren ihr waschechte Proleten schon lieber. Schließlich hatte sie sich auf die Vermittlung von Produktionshelfern und Bauarbeitern spezialisiert, also Menschen, denen das Denken bei der Arbeit nur Schwierigkeiten machen würden, die hart malochten und geringe Ansprüche stellten. Mit dem hell-beigen Audio-Cabriolet bereiste sie regelmäßig die neueren EU-Ländern und rekrutierte ihr Personal vorwiegend in Tschechien, der Slowakei, in Bulgaren und vor allem Rumänien, wo sie die Leute fand, die mit den allerniedrigsten Löhnen zufrieden waren. » ganz lesen

publiziert am 04.12.13 in Einzelteile ¦ 589x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Die Stadt, der Dreck und ein Hund

Das wird jeder Hundehalter bestätigen: Mit der Töle an der Leine erlebt man die Stadt ganz anders. Das gilt natürlich besonders, wenn am anderen Ende der Verbindung ein Welpe hängt. Denn der sieht das Urbane natürlich aus einer speziellen Perspektive. Beziehungsweise: Hört, riecht und schmeckt das Ganze auf einem anderen Level als sein Mensch. Besonders der noch sehr junge Welpe, der die Welt ohnehin vorwiegend per Schnauze erforscht, ist bei einem Gang durch die Straßen einem Feuerwerk an Sinneseindrücken ausgesetzt. Da liegt überall was rum, was man mit den Zähnen packen oder ablecken kann. Und weil der Zwerg nun fast alles aufnimmt, schärfen sich auch die Sinne des Halters. Auch er bemerkt auf einmal Zeug auf dem Gehweg, das ihm zuvor nie aufgefallen ist. Clooney hat das Pech, in unmittelbarer Nähe von zwei Berufskollegs aufzuwachsen. In den Wochen, in denen er noch alles mit dem Maul getestet hat, stieß er so praktisch durchgehend auf Essensreste. Denn die jungen Menschen, die diese Schulen besuchen, zählen zur Jugend der Scheißefresser. » ganz lesen

publiziert am 12.11.13 in Windhund namens Clooney ¦ 671x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Gut im Bett

Schreckliche Tage waren das. Zilly war nun schon seit zweieinhalb Monaten als Projektleiterin in Shanghai, und die meisten Freunde aus unserer Gruppe waren im Urlaub, krank oder einfach verschwunden. Trotzdem machte ich mich jeden Abend auf den Weg zu Paco, der unsere damalige Stammkneipe betrieb. Paco war als Petra geboren und hatte als frischgebackener Mann gleich eine neue Nationalität angenommen. In der Küche wirkte Sven, ihr ehemaliger Gatte, der inzwischen erkannt hatte, dass er schwul war. So konnten die beiden prima als Paar weiterleben, wobei sich Sven die Freiheit nahm, seine Sexualität in vollen Zügen außerhalb dieser Beziehung auszuleben. Paco war das egal, denn er hatte sich auf die asexuelle Seite geschlagen. Davon hatte ich in den zwei Jahren, in denen wir dort Quartier bezogen hatten, nichts gewusst. Aber nun, wo ich oft am frühen Abend der einzige Gast war, erfuhr ich alles über die beiden Gastronomen. Zumal ich mich auch für einen Thekenplatz entschieden hatte. So saß ich Abend für Abend am kurzen Ende des Tresens, von wo aus ich nicht nur die restlichen Plätze mit den Barhockern, sondern gut Zweidrittel des Gastraums übersehen konnte. Und über einen der Spiegel hinter dem Tresen hatte ich einen guten Blick auf den Eingang. Mir entging nichts. Jedenfalls so lange ich nüchtern war. » ganz lesen

publiziert am 07.11.13 in Thibaud ¦ 661x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Clooneys Welt

clooneys_weltWas liest man nicht alles bevor man seinen ersten Welpen bekommt! Und wen fragt man alles! Ganz abgesehen von den Dutzenden gutgemeinter Ratschläge anderer Hundehalter. Und dann hält man den Minimops zum ersten Mal auf dem Arm, und alles wird ganz anders. Clooney ist ja inzwischen ein Düsseldorfer Jong. Wenn man mit so einem Rasseköter in die üblichen Hundegegenden geht, wird man von den hysterischen Tierschützer, die garantiert mindestens einen „geretteten“ Köter bei sich haben, nicht selten bös angeguckt. Oft fällt die Frage: „Musste es denn ein Hund vom Züchter sein, wo es doch so viele arme, heimatlose Tiere gibt, die gerettet werden müssen?“ Meine Antwort lautet inzwischen: „Den haben wir auch aus den Klauen kölscher Züchter aus Bergheim gerettet…“ Tatsächlich gebührt aber den Arndts aus dem eben genannten Vorort der Domstadt jeder nur erdenkliche Dank dafür, wie sie ihre Welpen auf die böse Welt jenseits der Erft vorbereiten. Das erlebten wir schon bei den Besuchen, bei denen wir erstmal den Wurf kennenlernten und dann Hilal auswählten und noch einmal besuchten; der kleine Sloughi, der bei uns zum Clooney werden sollte. Und unser Dank wächst seit jenem späten Augusttag, an dem wir Clooney abholten und gleich mit in Urlaub an die holländsiche See von Walcheren mitnahmen. Denn dieser kleine Kerl war von Anfang an so sicher und souverän, wie man es sich nur wünschen kann. » ganz lesen

publiziert am 01.11.13 in Windhund namens Clooney ¦ 657x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Hundekörper

hundekampfVielleicht ist es das, was mich an kurzhaarigen Hunden so fasziniert, dass sie nämlich ganz Körper sind. Nicht versteckt unter einem Haarmop, unter Fransen und Krause. Denn bei Konsorten wie Ridgeback, Boxer und Sloughi wird deutlich, dass der Hund mit seinem Körper jede Form sozialer Interaktion betreiben kann: Kommunikation, Spiel, Kampf. Wir Menschen wissen das eigentlich. Denn – wie John Bradshaw in seinem erstaunlichen Buch „Hundeverstand“ erklärt – haben sich Mensch und Hund über etliche Tausend Jahre in einer Ko-Evolution miteinander und aufeinander zu bewegt. Bradshaw weist auch auf Erkenntnisse hin, die beweisen könnten, dass der Haushund eines der ganz wenigen oder sogar das einzige Säugetier ist, dass mit der eigenen Species und dem Menschen angemessen und unterschiedlich interagieren kann. Was aber der Canis familiaris instinktiv beherrscht, funktioniert beim Mensch nicht (mehr) so ganz automatisch. Der Halter muss im Gegensatz zum Köter bei der Kommunikation auch das Hirn einschalten. » ganz lesen

publiziert am 27.10.13 in Windhund namens Clooney ¦ 783x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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