Die Seite 41

Gut im Bett

Schreckliche Tage waren das. Zilly war nun schon seit zweieinhalb Monaten als Projektleiterin in Shanghai, und die meisten Freunde aus unserer Gruppe waren im Urlaub, krank oder einfach verschwunden. Trotzdem machte ich mich jeden Abend auf den Weg zu Paco, der unsere damalige Stammkneipe betrieb. Paco war als Petra geboren und hatte als frischgebackener Mann gleich eine neue Nationalität angenommen. In der Küche wirkte Sven, ihr ehemaliger Gatte, der inzwischen erkannt hatte, dass er schwul war. So konnten die beiden prima als Paar weiterleben, wobei sich Sven die Freiheit nahm, seine Sexualität in vollen Zügen außerhalb dieser Beziehung auszuleben. Paco war das egal, denn er hatte sich auf die asexuelle Seite geschlagen. Davon hatte ich in den zwei Jahren, in denen wir dort Quartier bezogen hatten, nichts gewusst. Aber nun, wo ich oft am frühen Abend der einzige Gast war, erfuhr ich alles über die beiden Gastronomen. Zumal ich mich auch für einen Thekenplatz entschieden hatte. So saß ich Abend für Abend am kurzen Ende des Tresens, von wo aus ich nicht nur die restlichen Plätze mit den Barhockern, sondern gut Zweidrittel des Gastraums übersehen konnte. Und über einen der Spiegel hinter dem Tresen hatte ich einen guten Blick auf den Eingang. Mir entging nichts. Jedenfalls so lange ich nüchtern war. » ganz lesen

publiziert am 07.11.13 in Thibaud ¦ 756x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Clooneys Welt

clooneys_weltWas liest man nicht alles bevor man seinen ersten Welpen bekommt! Und wen fragt man alles! Ganz abgesehen von den Dutzenden gutgemeinter Ratschläge anderer Hundehalter. Und dann hält man den Minimops zum ersten Mal auf dem Arm, und alles wird ganz anders. Clooney ist ja inzwischen ein Düsseldorfer Jong. Wenn man mit so einem Rasseköter in die üblichen Hundegegenden geht, wird man von den hysterischen Tierschützer, die garantiert mindestens einen „geretteten“ Köter bei sich haben, nicht selten bös angeguckt. Oft fällt die Frage: „Musste es denn ein Hund vom Züchter sein, wo es doch so viele arme, heimatlose Tiere gibt, die gerettet werden müssen?“ Meine Antwort lautet inzwischen: „Den haben wir auch aus den Klauen kölscher Züchter aus Bergheim gerettet…“ Tatsächlich gebührt aber den Arndts aus dem eben genannten Vorort der Domstadt jeder nur erdenkliche Dank dafür, wie sie ihre Welpen auf die böse Welt jenseits der Erft vorbereiten. Das erlebten wir schon bei den Besuchen, bei denen wir erstmal den Wurf kennenlernten und dann Hilal auswählten und noch einmal besuchten; der kleine Sloughi, der bei uns zum Clooney werden sollte. Und unser Dank wächst seit jenem späten Augusttag, an dem wir Clooney abholten und gleich mit in Urlaub an die holländsiche See von Walcheren mitnahmen. Denn dieser kleine Kerl war von Anfang an so sicher und souverän, wie man es sich nur wünschen kann. » ganz lesen

publiziert am 01.11.13 in Windhund namens Clooney ¦ 756x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Hundekörper

hundekampfVielleicht ist es das, was mich an kurzhaarigen Hunden so fasziniert, dass sie nämlich ganz Körper sind. Nicht versteckt unter einem Haarmop, unter Fransen und Krause. Denn bei Konsorten wie Ridgeback, Boxer und Sloughi wird deutlich, dass der Hund mit seinem Körper jede Form sozialer Interaktion betreiben kann: Kommunikation, Spiel, Kampf. Wir Menschen wissen das eigentlich. Denn – wie John Bradshaw in seinem erstaunlichen Buch „Hundeverstand“ erklärt – haben sich Mensch und Hund über etliche Tausend Jahre in einer Ko-Evolution miteinander und aufeinander zu bewegt. Bradshaw weist auch auf Erkenntnisse hin, die beweisen könnten, dass der Haushund eines der ganz wenigen oder sogar das einzige Säugetier ist, dass mit der eigenen Species und dem Menschen angemessen und unterschiedlich interagieren kann. Was aber der Canis familiaris instinktiv beherrscht, funktioniert beim Mensch nicht (mehr) so ganz automatisch. Der Halter muss im Gegensatz zum Köter bei der Kommunikation auch das Hirn einschalten. » ganz lesen

publiziert am 27.10.13 in Windhund namens Clooney ¦ 875x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Stein und Bein – Teil 7

Sein Handy meldete sich nicht ganz unerwartet, und er nahm den Anruf an. „Wissen’s, ich wollte schon vor Längerem einmal offen mit Ihnen reden“, begann der AMEK-Marketingchef ohne Umschweife, „Sie sind mir schon vor zwei oder drei Jahren positiv aufgefallen. Sie erinnern sich an die erfolgreiche Weihnachtsbaumkampagne, nicht wahr?“ Schreiner schaltete schnell genug um. Er hatte den Anrufer schon an seiner wienerischen Sprechweise erkannt, die dieser auf sein Anraten hin pflegte, weil er als Kommunikationsberater der Ansicht war, es würden seinen Klienten authentischer und damit glaubwürdiger machen: „Natürlich. Klar, die Weihnachtsbäume… Hat ja unseren guten Herrn Schaidler bis aufs Sofa von Sabine Christiansen gebracht.“ Tatsächlich war bei dieser Sache alles gut gelaufen, was sonst nie gut läuft in der Pressearbeit. AMEK hatte damals – und das war die Idee des heutigen Marketingleiters gewesen – eine Aktion ins Leben gerufen, dass die Leute nach dem Dreikönigstag ihre Christbäume in einen AMEK-Laden bringen könnten. Dort wurden diese gewogen, und die Einlieferer bekamen einen Einkaufsgutschein nach Gewicht. » ganz lesen

publiziert am 24.10.13 in Einzelteile ¦ 710x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Die Glanzzeit der Fotokopie (2)

rainer_krbIn den nächsten Semesterferien lernte ich Hans-Jürgen beim Job im Schulkollegium kennen. Der war schon ein bisschen älter als ich und brüstete sich mit wilden Zeiten, die er revoltierend in Frankfurt erlebt hatte. Aber ansonsten war er nett. Und wohnte im Anbau des Hauses an der Hohe Straße, in dem vorn der Buchladen untergebracht war, den später Malte Würzner übernahm. Die Bude bestand aus einem feuchten, düsteren Raum und Nebenzimmern, die ich nie kennenlernte. Nachdem wir herausgefunden hatten, dass wir einige Interessen teilten, verbrachten wir die Mittagspausen gern in seiner Wohnung beim Schachspiel. Außerdem zeigten wir uns gegenseitig fotografische Arbeiten – er hatte ein kleines Fotolabor, das ich nutzen konnte. Und noch ein wenig später entdeckten wir unsere Vorliebe für Motorräder. Während ich eine wunderschöne Honda CB125 aus einem Wasserschaden über Hein Gericke erwarb, langte es bei ihm nur für eine Zweitakt-Garelli, die es damals bei Neckermann gab. Und dieser Versender betrieb damals ein Kaufhaus direkt am Carlsplatz, wo man sich den italienischen Hobel, aber auch die großen Maschinen von MZ aus der DDR und CZ aus der CSSR anschauen konnte. Die ersten Ausfahrten unternahmen wir gemeinsam. Weil aber das Zweitaktmoped erheblich schwach auf der Brust war, machte das wenig Freude, und wir unterließen das bald wieder. » ganz lesen

publiziert am 12.10.13 in Stadtgeschichten ¦ 907x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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