Die Seite 50

Kleine Skatrunde

skatDamals trafen wir uns regelmäßig zum Skat. Gastgeber war meistens Nigel, der schräg gegenüber in der Nummer 18 wohnte. Er war Brite, Engländer, um genau zu sein. Er war vor über 20 Jahren nach Deutschland gekommen und hatte in seiner Stammkneipe rasch das deutscheste aller Kartenspiele erlernt. Auch Eberhard war erst mit 22 zum Skat gekommen, hatte das Spiel aber ernsthaft studiert und war der einzige in der Runde, der es analystisch betrachtete. Dagegen hatten Michael und ich von den Feinheiten null Ahnung. Unabhängig davon, wann wir die erste Runde starteten, wurde es selten später als 24 Uhr. Und wenn wir noch nicht müde waren zu diesem Zeitpunkt, dann legten wir halt die Karten beiseite und saßen noch eine Weile gemütlich beisammen und rauchten und tranken. Legendär war der Abend, an dem wir Biertrinker – Eberhard trank ausschließlich Weißwein aus dem Frankenland – zusammen 27 Flaschen leerten. » ganz lesen

Download PDF

publiziert am 16.06.13 in Thibaud ¦ 1023x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Vom Schmerz und vom Sterben

Er wolle ohne Schmerzen sterben, habe Richard ihm wenige Tage vor seinem Tod gesagt, berichtete Thibaud. Es sei zu einer hitzigen Diskussion gekommen, die Hilde sich eingeschaltet habe. Die sei ja vor vier Jahren mit ihrer neunzigjährigen Mutter nach Zürich gereist, um sie bei der Sterbehilfe zu begleiten. Die alte Frau habe die ihr verordneten Schmerzmittel nicht mehr vertragen, die sie über mehr als zwanzig Jahre gegen die Begleiterscheinungen ihrer Arthritis genommen habe. Dann habe sie sich weitere zwei Jahre mit Dauerschmerzen gequält, habe nie mehr länger als eine Stunde am Stück schlafen können und sei furchtbar verzweifelt gewesen. Richard habe diesem Bericht intensiv zugehört und dabei oft zustimmend genickt. Er selbst, so Thibaud, sei nicht einverstanden gewesen. Schließlich sei er schon immer ein strikter Gegner jeder Form von Sterbehilfe und Euthanasie. Er sei der Ansicht, dass der Schmerz zum Leben gehöre. Daraufhin hätten ihn Richard und Hilde scharf angegriffen, er habe gut reden, ihm sei es ja noch nie so gegangen wie Hildes Mutter. » ganz lesen

Download PDF

publiziert am 06.06.13 in Thibaud ¦ 884x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Arm dran – Teil 10

Das Wochenende verlief weitgehend ereignislos. Elle hatte am Freitagabend etwas Exotisches zubereitet, etwas scharf Gewürztes, das er mit ein bisschen zu viel Bier löschen musste. Sie hatte von ihrem Besuch auf dem Hausboot berichtet, nicht aber von der Begegnung mit Phil. Dann hatten sie darüber diskutiert, ob der Umzugstermin überhaupt zu schaffen sei. Später waren sie ins Wohnzimmer übergesiedelt. Robert hatte sich für Barry White entschieden, und sie kuschelten sich aneinander als bräuchten sie beide Trost. Sie waren recht früh zu Bett gegangen, und Elle verführte ihn, denn so war das Sexualleben der beiden vorwiegend geregelt. » ganz lesen

Download PDF

publiziert am 04.05.13 in Einzelteile ¦ 899x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Sisyphos ist müde

sysiphos_grossNicht nur Zilly war erschrocken darüber, wie alt Thibaud wirkte, wie deprimiert, wie müde. Nun war er nach langer Abwesenheit zum dritten Mal wieder zum Treffen im Augustushof gekommen. Aber wieder saß er da vor seiner Weißweinschorle und schwieg. Er hatte sich verändert, so viel war sicher. Allein schon dass er kein Bier mehr trank. Und das Rauchen hatte er sich wohl auch abgewöhnt. Hilde fühlte sich bestätigt. Hatte sie doch damals, als Thibaud frisch verliebt und strahlend Irma vorstellte, gewarnt, die Frau werde ihm nicht gut tun. Dass aber zweieinhalb Jahre Beziehung ihn derart runterziehen würden, damit hatte auch sie nicht gerechnet. An diesem Abend waren wir zu zwölft, und es wurde insgesamt wenig geredet. Die beiden Päärchen in der Runde flüsterten miteinander. Hanshubert summte alte Lieder und wirkte unkonzentriert. Auch Zilly und ich waren ziemlich maulfaul nach einer Woche Workshop. Also aßen und tranken wir und machten ab und an kleine Bemerkungen. Als die ersten schon zahlen wollten, stand Thibaud plötzlich auf und hielt eine Rede wie in alten Zeiten: » ganz lesen

Download PDF

publiziert am 23.04.13 in Thibaud ¦ 2261x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Ein Kerl namens Mae

Er galt gemeinhin als attraktiver Mann. Jedenfalls bei den Frauen. Männer sehen bei Kollegen nicht so aufs Äußere, aber die Burschen, die ihn näher kennen lernten, waren ebenfalls von ihm begeistert. Ein korrekter Typ, sagten sie, zuverlässig, ehrlich und für jeden Scheiß zu haben. Ein echter Kumpel. Stimmte auch. Mae machte sich für jeden Bruder im Geiste gerade, so lange der ihn nicht Mae nannte. Er hasste diesen Namen, den ihm sein Erzeuger gegeben hatte. Überall auf der Welt, klagte er einmal, gilt das als Frauenname; ich will doch keinen Mädchennamen tragen. Also begann er, den Menschen zu erzählen, es handele sich um einen Spitznamen, der sich aus seinen drei Vornamen ergeben habe: Max Antonius Emil. Die Jungs nahmen ihm die Lüge ab und sprachen ihn in Zukunft als Mäx an. Damit konnte er gut leben. » ganz lesen

Download PDF

publiziert am 31.03.13 in Thibaud ¦ 1303x gelesen ¦ 3 x kommentiert

blättern: « 1 ... 47 48 49 50 51 52 53 ... 90 »