Die Seite 50

Schlittschuh, Schwimmbad, Schamhaar

eisstadionDamals, in den Zeiten als sich Mädchen noch nicht die Achsel- und Schamhaare rasieren mussten, waren Freibad und Eisbahn die wichtigsten Kontakthöfe fürs junge Volk. Während man die körperlichen Gegebenheiten einer potenziellen Geschlechtspartnerin zum Beispiel im Schwimmbad am Rheinstadion oder in Lörick unmittelbar in Augenschein nehmen und abwägen konnten, zählten im Eisstadion mehr die inneren Werte. Barbara hätte natürlich in beiden Arenen Kantersiege eingefahren, aber im Sommer habe ich sie nie beim Schwimmen gesehen. Auf dem Eis war sie zumindest im Winter 1969/70 die Schönste ihrer Altersklasse. Für mich allerdings ein bisschen zu schön und auch um ein, zwei Jahre zu alt. Sie war recht groß gewachsen, hellblond und trug die Haare mittelgescheitelt und sehr lang unter der warmen Mütze. So weit es sich abschätzen ließ, muss sie eine tolle Figur gehabt haben. Ich aber hatte ein Auge auf ihre kleine Schwester geworfen. » ganz lesen

publiziert am 21.10.12 in Stadtgeschichten ¦ 1006x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Die nackte Hilde

nackte_hildeMeine Mutter war auf merkwürdige Weise amüsiert: „Und da hat der Werner nur so einen gestreiften Beutel an…“ Sie kicherte, und das tat sie sonst nie. Wir saßen am Frühstückstisch. Die Eltern waren am Vorabend zu Gast beim Chef des Vaters gewesen, der hatte ihnen Filme vom FKK-Urlaub mit Frau und Kind auf Korsika gezeigt. Nicht dass es bei uns prüde zugegangen wäre, aber dass man die ganzen Ferien über nackig rumlaufen könnte und alle anderen Leute auch, das kam den Eltern schon merkwürdig vor. Was dieses Thema anging, waren Werner und Hilde ein Traumpaar. Schließlich hatte sie vor der Hochzeit einige Jahre als Schönheitstänzerin gearbeitet. In einer Nachtbar namens „Bocksbeutel“, die damals noch dem Rotlichtmillieu zugerechnet wurde. Aber Werner, der mit seinem soziophoben Bruder gemeinsam die vom Vater geerbte Firma führte, war ohnehin Nonkonformist. Der verkehrte im Düsseldorfer Nachtleben, verstand sich zu amüsieren und war großer Fan des Catchens, das damals noch einen ziemlich zweifelhaften Ruf hatte und als Vergnügen für Verbrecher galt. » ganz lesen

publiziert am 20.10.12 in Stadtgeschichten ¦ 1132x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Unter Keepern

„Nigbur heiße ich“, sagte Nigbur. „Wie der Torwart?“ fragte Köpke, und Nigbur antwortete „Welcher Torwart?“ Die Männer am Stehtisch wechselten mitleidige Blicke. „Na, der Nigbur“, sagte Herkenrath, „der mit dem Skandal.“ Lehmann hob das Kinn und schüttelte unwillig den Kopf: „Du meinst den Manglitz, Manfred Manglitz. Oder was denkst du, Klaus?“ Köpke trank gerade sein Bier aus. Dafür ergriff Tilkowski das Wort: „Kann nur Manglitz sein.“ Die Runde schwieg. „Meine Gute, was kann ich dafür, dass ich Nigbur heiße!“ rief Nigbur plötzlich. Alle lachten und stießen mit den halbvollen Gläsern an. „Hauptsache“, warf Kahn ein, „kein Ball geht rein.“

publiziert am 06.10.12 in Thibaud ¦ 946x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Hans-Jürgen im Untergrund

indenuntergrundIn den ersten Jahren wurde die verkehrspolitische Arbeit der hiesigen Grünen durch Einbruchsdiebstahl finanziert. Ich sah Hans-Jürgen zum ersten Mal bei einer Versammlung, wo er aus dem Hintergrund des Saals mit lauter Stimme gegen die K-Gruppen-Kader anbrüllte, die dabei waren, die Partei feindlich zu übernehmen. Dann traf ich ihn auf der einen oder anderen Demo und auf verschiedenen Sitzungen. Ob ich an Verkehrspolitik interessiert sei, fragte er mich eines Tages. Ich bejahte, und er sagte, dann komm doch mal vorbei. In jenen Tagen hatte Hans-Jürgen einen Laden auf der Eintrachtstraße gemietet. Das war damals eine der finstersten Ecken der Stadt, gelegen an der Kölner Straße, die hier zwischen der Industriebrache hinter dem Bahnhof und einer Reihe schäbiger Häuser entlang führte. Die Eintrachtstraße selbst endete im Nirgendwo einer wild bewachsenen Fläche, auf der sich nachts die Junkies und Dealer trafen. Gegenüber vom Laden gab es die einzige afrikanische Disco der Stadt. » ganz lesen

publiziert am 05.10.12 in Stadtgeschichten ¦ 905x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Arm dran – Teil 5

Das Wasser im Hafenbecken unter der ehemaligen Futtermittelfabrik lag an diesem unentschiedenen Tag unbewegt da wie eine graue Plastikfolie. Elle parkte das Rad an einem Verkehrsschild, das Autofahrer davor warnen sollte, versehentlich über die Böschung in den Fluss zu fahren. Sie ging die drei Schritte bis zu den Stufen im steinernen Deich und sah ihr zukünftiges Heim da unten liegen. Sie hatte Arbeiter erwartet, Scharen von fleißig vor sich hin werkenden Männern in Overalls und öligen Latzhosen, aber zumindest an Deck war kein Mensch. Da standen nur Farbeimer herum, eine geöffnete Blechkiste für Werkzeug, Taue und Planken und eine sinnlose Leiter. Elle betrat das schwankende Brett, das den Kahn mit dem Ufer verband, und machte einen großen Schritt an Deck. Das Schiff war vom Bug bis zum Heck dreiundzwanzig Meter lang und in der Mitte gut vier Meter breit. Die verschiebbaren Luken über dem Laderaum hatte man verschweißt und darüber drei gleich große Plattformen angebracht, die mit Terrassendielen belegt waren. Ins Inneren kam man über den Eingang zum ehemaligen Steuerhaus, das den Bewohnern als Küche und Wintergarten dienen sollte. Die Tür war nicht verschlossen, und sie betrat den Raum mit den großen Fenstern an allen vier Seiten. Die Einrichtung war bereits vollständig entfernt, aber an den metallenen Pfosten blühte noch der Rost. Sie hob das Luk an und kletterte abwärts in den Laderaum, der Robert und ihr demnächst Wohn- und Schlafraum sein sollte. » ganz lesen

publiziert am 04.10.12 in Einzelteile ¦ 838x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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