Die Seite 51

Sisyphos ist müde

sysiphos_grossNicht nur Zilly war erschrocken darüber, wie alt Thibaud wirkte, wie deprimiert, wie müde. Nun war er nach langer Abwesenheit zum dritten Mal wieder zum Treffen im Augustushof gekommen. Aber wieder saß er da vor seiner Weißweinschorle und schwieg. Er hatte sich verändert, so viel war sicher. Allein schon dass er kein Bier mehr trank. Und das Rauchen hatte er sich wohl auch abgewöhnt. Hilde fühlte sich bestätigt. Hatte sie doch damals, als Thibaud frisch verliebt und strahlend Irma vorstellte, gewarnt, die Frau werde ihm nicht gut tun. Dass aber zweieinhalb Jahre Beziehung ihn derart runterziehen würden, damit hatte auch sie nicht gerechnet. An diesem Abend waren wir zu zwölft, und es wurde insgesamt wenig geredet. Die beiden Päärchen in der Runde flüsterten miteinander. Hanshubert summte alte Lieder und wirkte unkonzentriert. Auch Zilly und ich waren ziemlich maulfaul nach einer Woche Workshop. Also aßen und tranken wir und machten ab und an kleine Bemerkungen. Als die ersten schon zahlen wollten, stand Thibaud plötzlich auf und hielt eine Rede wie in alten Zeiten: » ganz lesen

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publiziert am 23.04.13 in Thibaud ¦ 2278x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Ein Kerl namens Mae

Er galt gemeinhin als attraktiver Mann. Jedenfalls bei den Frauen. Männer sehen bei Kollegen nicht so aufs Äußere, aber die Burschen, die ihn näher kennen lernten, waren ebenfalls von ihm begeistert. Ein korrekter Typ, sagten sie, zuverlässig, ehrlich und für jeden Scheiß zu haben. Ein echter Kumpel. Stimmte auch. Mae machte sich für jeden Bruder im Geiste gerade, so lange der ihn nicht Mae nannte. Er hasste diesen Namen, den ihm sein Erzeuger gegeben hatte. Überall auf der Welt, klagte er einmal, gilt das als Frauenname; ich will doch keinen Mädchennamen tragen. Also begann er, den Menschen zu erzählen, es handele sich um einen Spitznamen, der sich aus seinen drei Vornamen ergeben habe: Max Antonius Emil. Die Jungs nahmen ihm die Lüge ab und sprachen ihn in Zukunft als Mäx an. Damit konnte er gut leben. » ganz lesen

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publiziert am 31.03.13 in Thibaud ¦ 1315x gelesen ¦ 3 x kommentiert

Der starke Uwe

starker_uweWenn eines über Uwe sicher ist, dann das: Er machte, was er wollte. Hielt sich nicht an Konventionen, war sein eigener Herr. Und konnte sich das leisten. Knapp zwei Meter hoch und mit einem Kampfgewicht zwischen 120 und über 160 Kilo. Keiner konnte ihn davon abhalten, mit den Hunden in die Agentur zu kommen. Eines Tages hörte ich aus einem der Büros Pfotengetrappel auf dem feinen Parkett. Vorweg ein spindeldürrer Windhund, gefolgt von einem tabakbraunem Muskelpaket. Das war Uwes Köter. Die Hippe, sagte er, die ist von meinem Psychofreggel. Damit meinte er die Frau, mit der er damals so eine Art Beziehung pflegte. Die war Therapeutin. Dann hatte ich seine Töle vor mir. Ich hielt Fridolin, so nannte Uwe ihn, für einen Kampfhund, aber das Herrchen schwor Stein und Bein, dass Fri, so wurde das Hundchen gerufen, ein harmloser Mischling sei. Den habe er als winzige Welpe illegal im Flugzeug aus der Dominikanischen mitgebracht, versteckt unter der Jacke. Und dann großgezogen und ausgebildet. » ganz lesen

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publiziert am 21.03.13 in Stadtgeschichten ¦ 1218x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Mutti, Vati, Oma

erna_martin_juli1948Immer wieder bin ich beeindruckt, wenn ich eines der wenigen Bilder mit dieser alten, schwarzgekleideten Frau sehe, die meine Großmutter mütterlicherseits war. Ich habe sie persönlich nicht kennen gelernt; sie starb im Jahr vor meiner Geburt. Wir schon erwähnt dürfte sie um 1880 herum geboren sein. Das schließe ich daraus, dass sie nach den Erzählungen meiner Mutter bei deren Geburt im April 1921 schon über 40 Jahre alt war. Sie war, auch das habe ich bereits mitgeteilt, auf dem weltberühmten Gestüt von Trakehnen geboren und ist dort auch aufgewachsen. Es hieß, sie sei weder Deutsche, noch Polin gewesen. Es spricht also einiges dafür, dass sie eine echte Masurin, also Nachfahrin der westslawischen Masowier war. Daher die typische Physiognomie und die auffällig dunkle Hautfarbe. Von meinem Großvater mütterlicherseits gibt es nur wenige Fotos, auf denen er auch nicht besonders gut zu erkennen ist. Er hieß Müller, und man sagte, er sei Preuße gewesen. Bei meiner Mutter und ihren Geschwistern wird die Mischung gut sichtbar. Als masurische Erbe gilt das dicke, schwarze Haar, das meine Kinder auch noch geerbt haben. » ganz lesen

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publiziert am 15.03.13 in Alte Fotos ¦ 988x gelesen ¦ noch kein Kommentar

1962 – Ein Ausflug in die Eifel

ausflug_eifel_1962Manche der alten Familienfotos sind auf der Rückseite beschriftet. Auf diesem steht in einer mir nicht bekannten Schrift (Onkel Walter?) lapidar „Eifel 62“. Es wird dieser Onkel gewesen sein, der den Schnappschuss angefertigt hat, denn Tante Thea ist auf dem Bild, Onkel Walter nicht. Dafür ist die Familie Knorrek anwesend, das waren die Nachbarn von Tante Thea und Onkel Walter im Haus Jordanstraße 25. Der Kopf in der Astgabel gehört Rainer Knorrek, dem Sohn. Herr Knorrek (der mit der sehr dunklen Brille) hatte eine schnarrende Stimme und wusste alles. Er starb ein oder zwei Jahre nach diesem Ausflug. Solche Sonntagsausflüge gehörten zur wöchentlichen Routine – jedenfalls ab dem Zeitpunkt als mein Vater seinen ersten Dienstwagen bekommen hatte. » ganz lesen

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publiziert am 27.02.13 in Alte Fotos ¦ 1416x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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