Die Seite 51

Graues Leben

Bodos Tod brachte Leid über die Familie Greiper, großes Leid. Und weder die Eltern, noch Robert und seine kleine Schwester Sabine kamen über den Schmerz hinweg, den ihnen der Unfall zugefügt hatte. Niemand gab dem kleinen Bruder die Schuld, niemand gab überhaupt jemanden die Schuld – nur Robert konnte an nichts anderes mehr denken als einen oder mehrere Schuldige zu ermitteln, zu stellen und zu bestrafen. Am schlimmsten traf es die Mutter. Anna Greiper verlor jede Freude am Leben, verstummte beinahe völlig und lehnte jede Aktivität ab. Immer tiefer zog sie sich in die Höhle ihrer Trauer zurück, und Heinrich, ihr Mann, der sie über alles liebte, wusste sich keinen Rat mehr. Einen Tag vor ihrem fünfzigsten Geburtstag verschwand sie. Niemand hatte sie gehen sehen, weder die Familienangehörigen, noch die Angestellten im Gasthof oder die Gäste. » ganz lesen

publiziert am 30.09.12 in Völkerwanderung ¦ 1030x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Arm dran – Teil 4

Natürlich hatte der PR-Berater Frank Schreiner nicht nur den Chefredakteur des Boulevardblättchens informiert, sondern gleich alle Redaktionen der drei Tageszeitungen der Region angerufen. So waren gegen eins vier Autos unterwegs zum AMEK-Megastore in der Nähe der niederländischen Grenze, wo zu dieser Zeit ein unerwartetes Volksfest tobte. Auf der Bühne absolvierte eine Vorband die besten Rockhits der sechziger, siebziger und achtziger Jahre sowie das Beste von heute. An jeder Ecke des Parkplatzes schenkte man Freibier, Cola und Wasser aus, und auch die eilends georderten Würstchen und Burger fanden reißenden Absatz. » ganz lesen

publiziert am 25.09.12 in Einzelteile ¦ 992x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Robbies Gold

goldbarrenZwei Jahre vor seinem Tod musste ich Robbie versprechen, zu Lebzeiten nicht über ihn zu schreiben. Das habe nichts damit zu tun, dass er sich für irgendetwas schäme oder irgendetwas bereue; er wolle einfach nicht nachlesbar sein. Das war vor ungefähr fünfzehn Jahren. Wir sahen uns eine Zeitlang nicht, dann erfuhr ich über Umwege, dass er an seinem schweren Nierenleiden gestorben war. Er wurde nicht einmal fünfzig Jahre alt. Meine ehemalige Ehefrau sagte: Der ist ein Zigeuner. Konnte man drauf kommen angesichts seiner schwarzen Locken und der intensiven dunklen Augen. Wir hatten ihn so um 1984 herum kennen gelernt. Seine Tochter ging in denselben Kindergarten wie mein Sohn. Da lebte er noch mit der Mutter dieses Mädchens zusammen. Robbie war ein Spieler, und damit meine ich nicht nur seinen Hang zur Zockerei. » ganz lesen

publiziert am 25.09.12 in Stadtgeschichten ¦ 1057x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Königskinder 08

Und weil Johannes weder Interesse, noch Zeit hatte, in einer Kanzlei öde juristischen Dienst abzuleisten, blieb die ganze Arbeit an Ronny hängen. Aber der beklagte sich nicht, den eigentlich waren zwei seiner Wünsche gleichzeitig in Erfüllung gegangen: als selbstständiger Anwalt wirken zu können und an der Seite seines liebsten Freundes sein zu dürfen, ja, von der Umwelt geachtet zu werden als graue Eminenz, als Kraft im Hintergrund des strahlenden Prominenten, der nicht nur als bewunderter TV-Moderator und witzige Werbefigur auftrat, sondern auch noch ein echter Advokat war, mit eigener Kanzlei sogar. Tatsächlich hatte Felsheimer seinen Kumpel zum Kompagnon gemacht, wenn auch nur mit einem Anteil von fünfundzwanzig Prozent, sodass er selbst alle Entscheidungen allein treffen konnte, der Mitstreiter aber ausreichend motiviert wäre, Tag für Tag in staubigen Akten zu wühlen, die immer gleichen Texte zu formulieren und Stunde um Stunde in öden Gerichtszimmern auf seine kurzen Einsätze zu warten. » ganz lesen

publiziert am 13.09.12 in Einzelteile ¦ 948x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Noch ein schönes Verhör

Manchmal sind es kleine Zufälle, die einem Kripobeamten, der vorwiegend aus der Intuition heraus ermittelt, den Erfolg bescheren. Zum Beispiel dass ein plötzlich dringend Tatverdächtiger ohnehin in U-Haft sitzt. Wobei Greiper in er aktuellen Situation das Glück hatte, dass Ümit Karadoglu noch immer hinter Gittern wohnte, obwohl der Haftprüfungsantrag seines Anwalts positiv beschieden worden war. Aber in der hiesigen Justizvollzugsanstalt mahlten die Mühlen etwa in dem Tempo, in dem sich die Menschen zum Zeitpunkt ihrer Erbauung bewegt hatten. Dass nun Schmörgel, der auch nicht der Schnellsten einer war, so schnell einen Haftbefehl gegen Ümit erwirkt hatte, grenzte an ein Wunder. Jedenfalls konnte es der Hauptkommissar kaum fassen, dass er den möglichen Bombenzündern würde vernehmen können, ohne ihn zuvor zu jagen und zu stellen. Die Chance, dem Büdchenmann ein Geständnis zu entlocken, schätzte er selbst nicht besonders hoch ein, zumal ihn letztlich mehr interessierte, welches Motiv der Beihilfe möglicherweise zugrunde lag. » ganz lesen

publiziert am 10.09.12 in Völkerwanderung ¦ 904x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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