Die Seite 51

Arm dran – Teil 9

Früher, als alle noch jünger waren, also zu den jungen Leuten zählten, da galt der Freitagabend als Höhepunkt der Woche. Oberschüler, Lehrlinge, Studenten und auch Arbeiter unter dreißig, sie alle strömten in den Teil des Orts, den man immer noch Altstadt nennt. Ein Karnevalsschlager aus den Sechzigern behauptet nicht ganz zu unrecht, man habe vor Ort die längste Theke der Welt. Und tatsächlich gab es damals in jedem Haus eine Kneipe. Restaurants waren dünn gesät, und drei legendäre Imbisslokale erfüllten die Funktion der Volksernährung. Bars und Clubs waren auch vorhanden, blieben aber den Reichen und Schönen vorbehalten, und im Gegensatz zu den elitären neunziger Jahren hielt es die Mehrheit der Altstadtgänger für wenig erstrebenswert, dort einzukehren. » ganz lesen

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publiziert am 10.01.13 in Einzelteile ¦ 1142x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Striptease in Roermond

striptease_roermondJeder ahnte, dass Manes ein Trinker war. Aber damals hatte es sich noch nicht herumgesprochen, dass jede Sucht eine Krankheit ist. Bei Alkoholikern hieß es, die sollten sich einfach mal zusammenreißen und weniger saufen. Manes war nie wirklich betrunken, und es schien sogar als könnte er nicht besonders viel vertragen. Später fanden wir heraus, dass er schon nach dem Aufwachen anfing mit dem Trinken und kurz vor dem Schlafengehen das letzte Glas nahm. In der Öffentlichkeit trank er übrigens nur Wein und vor allem Sekt. Ich sah ihn nie mit einer Flasche oder einem Glas Bier, ganz selten mit einem Schnaps. Und Manes riss sich über viele Jahre sehr zusammen. Vielleicht weil er einen starken Drang hatte, aus den ärmlichen Verhältnissen, denen er entstammte, aufzusteigen, wohlhabend zu werden. Die Familie Dietze wohnte schon seit zwei Generationen in der Paulsmühle, der schmutzigen Seite des adretten Benraths. Dem Städtchen, wie die Bewohner sagen, dem Ort, der vom Schloss in den Schatten gestellt wird. Während im Musikantenviertel am Schlosspark der alte Geldadel in hübschen Villen wohnt, sieht es auf der Ostseite eher aus wie in Hassels oder gar Reisholz. Hier im Niemandsland zwischen Düsseldorf und Hilden war immer Platz für Industriebetriebe: Thyssen, Demag, Rheinstahl, Jagenberg. » ganz lesen

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publiziert am 02.01.13 in Stadtgeschichten ¦ 1040x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Immer wieder Cooka Jones

Je mehr Ocho von der Tüte durch die Lungen zog, desto klarer wurde seine Sprache, desto präziser seine Aussagen. Greiper brauchte sich keine Notizen zu machen, so klar war die Sache auf einmal. Der Däne war Strohmann für irgendwelche Schwarzgeldbosse und hatte die Bar von Benzani und Nahash finanziert, um dort eine Verteilstelle für Chemodrogen zu betreiben. Die beiden Kurden wollten schlauer sein und hatten nebenbei einen speziellen Nuttenservice organisiert. Davon hatte Hinz erfahren und die Wirte erpresst, um kostenlos an die minderjährigen Zwangsprostituierten zu kommen. Da der sein Maul nicht halten konnte, wusste es bald die halbe Nachbarschaft, unter anderem auch der unsympathische Büdchenbesitzer Ümit. Der Kawa und Asan bei Åkelomme verpfiff in der Hoffnung, nach dem Rauswurf der Jungmänner selbst die Bar samt eigentlichem Geschäftszweck übernehmen zu können. Deshalb bot er sich dem Strohmann auch als Sprenghelfer an und wurde so zum Mörder an den drei Frauen, die im Hinterzimmer wohnten. Da blieben wenige Fragen offen. Und die stellte er nun zum Abschluss dem Sohn des ghanaischen Geschäftsmanns William Williams. » ganz lesen

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publiziert am 01.01.13 in Völkerwanderung ¦ 1232x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Arm dran – Teil 8

Hauptkommissar Greiper sah sich genötigt, noch intensiver über das Verpacken von Lebensmitteln in vakuumversiegelten Plastikbeuteln nachzudenken. Er hatte vor Jahren auf einem Verkaufskanal im Fernsehen so ein Gerät gesehen, das man Hausfrauen aufschwatzen wollte. Der Moderator hatte sich begeistert darüber, dass man mit dem Vaccumate fast alles frisch halten könnte, ohne es einfrieren zu müssen. Dann hatte er riesige Fleischbrocken eingeschweißt, später geputztes Gemüse und dann ganze Mahlzeiten. Als er schließlich auch Socken und Unterhosen vakuumierte, hatte Greiper einen appetitlicheren Kanal angesteuert. Das Prinzip war ihm klar. Man stopft das frisch zu haltende Gut in eine Tüte. Dann legt man die in das Gerät ein und drückt eine Taste. Die eingebaute Pumpe saugt die enthaltene Luft heraus, und am Ende wird die Nahtschnittstelle über einen Heizdraht zu geschweißt. So weit er sich erinnerte, musste man keine speziellen Beutel nehmen, sie mussten nur dicht genug sein. Natürlich würde das Vakuum dafür sorgen, dass die in der Luft enthaltenen Bakterien nicht am Eingeschweißten ihr Unwesen treiben könnten. Vermutlich würde so auch die Luftfeuchtigkeit ferngehalten. Wenn die Leichenteile also ganz frisch nach dem Abtrennen verpackt werden, dann müssten sie sich beim Öffnen genau in dem Zustand wie beim Vakuumisieren befinden. Er griff das Telefon und rief erneut in der Forensik an. » ganz lesen

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publiziert am 22.12.12 in Einzelteile ¦ 1299x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Zur dicken Mutti

dicke_muttiDenkt euch ein Viertel in der Stadt mit normalen Leuten. Stellt euch eine Kreuzung vor zwischen einer breiten und einer schmalen Straße. Dann erfindet eine Eckkneipe. Das könnte das Gasthaus „Zur dicken Mutti“ sein. Natürlich heißt die Wirtschaft ganz anders, „Zur Post“ oder „Bei Heidi“ oder so, aber die Stammgäste sagen immer nur: „Ich geh zur dicken Mutti“. Dabei kann man Hildegard nicht wirklich dick nennen. Gut, sie hat ziemlich kräftige Oberarme. Das käme davon, sagt sie, dass sie als junges Mädchen Leistungsschwimmerin gewesen sei. Es fällt schwer, sich die Hilde – so dürfen nur die allerliebsten Tresenhocker sie nennen – als Delfin in einem chlorigen Becken vorzustellen. Allein schon wegen der Frisur. Aus irgendeinem Grund hat sie sich für den Look der frühen sechziger Jahre entschieden. Also für eine Wasserwelle, die mit vielen Zutaten in reinen Beton verwandelt wird. Einige Gäste würden einiges darum geben, einmal morgens neben ihr im Bett zu erwachen. Nur um zu sehen, wie ihre Haare dann aussehen. Nach allem was ich weiß ist Hildegard auch keine Mutti. Sie spricht ja nur wenig über sich selbst, der Verweis auf ihre sportliche Vergangenheit ist da die Ausnahme. » ganz lesen

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publiziert am 07.12.12 in Stadtgeschichten ¦ 934x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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