Die Seite 51

Hand und Fuß – Teil 4

Felsheimer reckte das Kinn wie Mussolini, sein rasierter Schädel glänzte im Morgenlicht, das durch die Jalousien drang, und dann öffnete er den Mund, der von einem Bart umgeben war, den er einen Henri-Quatre-, andere aber einen Arschlochbart nannten: „Wir werden jeden dieser Pressepisser verklagen, der es wagt, ohne unsere Genehmigung über den Vorfall zu berichten. Wir werden das ganze dumme und faule Journalistenpack mit Abmahnungen und einstweiligen Verfügungen überziehen bis Blut kommt. So stelle ich mir den Umgang mit den Medien vor.“ » ganz lesen

publiziert am 15.05.12 in Einzelteile ¦ 896x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Aussichtslos

Robert hat keine Lösung. In dem Punkt hat der Bulgare Recht. Jedenfalls keine Lösung, bei der unbeschadet davon käme. Und je mehr darüber nachdenkt, desto attraktiver erscheint ihm der Vorschlag des Killers. Fragt sich nur, ob er ihm vertrauen kann. Dazu muss er mehr wissen über die Tat und die Motive. Also nickt er einfach so vor sich hin. „Was,“ fragt Gojko, „machst du mit?“ Der Hauptkommissar schaut den dicken, alten Mann intensiv an. „Los, komm, sag!“ Er zögert ein paar Sekunden und sagt dann einfach: „Bin einverstanden. Bevor ich aber meine Frau rufe, möchte ich mehr wissen. Und mit der Aufzeichnung anfangen. Ich hol mein Notebook.“ Und steht auf. „Halt!“ brüllt Trifonov, „du bewegst dich nicht. Wir gehen zusammen. Wo ist das Ding?“ – „Auf dem Stuhl neben Ihnen.“ – „Sag das doch gleich. Und mach mich nicht nervös.“ » ganz lesen

publiziert am 13.05.12 in Völkerwanderung ¦ 701x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Hand und Fuß – Teil 3

Gehen, das war Elles Theorie, ist eine hervorragende Meditationstechnik. Jedenfalls, fand sie, eine bessere als beim Bier am Küchentisch zu hocken. Da sie andererseits der Meinung war, der Mensch in diesen gehetzten Zeiten müsse täglich mindestens einmal meditieren, ging sie jeden Tag zu Fuß.
Als ihr Freund mit dem Dienstwagen vorfuhr, öffnete sie die Beifahrertür, steckte ihren blonden Kopf ins Wageninnere und sagte zur Begrüßung: „Komm, lass uns zu Fuß zu AMEK gehen.“
„Steig erst mal ein“, entgegnete Robert und drückte ihr, nachdem sie das Auto tatsächlich geentert hatte, einen Kuss auf die gespitzten Lippen. „Du weißt, ich gehe sehr gern spazieren. Ich gehe vor allem ausgesprochen gern mit dir spazieren. Ja, ich kann sagen, dass ein Spaziergang mit dir zu den schönsten Beschäftigungen zählt, die ich mir vorstellen kann. Allein, ein Marsch zu AMEK stellt ein ernsthaftes Problem dar.“
„Wieso?“ fragte Elle, die das Möbelhaus am Stadtrand tatsächlich noch nie betreten hatte, „wir können doch bis zum alten Bahnhof fahren, den Wagen stehen lassen und den Rest laufen.“ » ganz lesen

publiziert am 09.05.12 in Einzelteile ¦ 735x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Zurück in die Stadt

Und so standen die fünf Kinder von Sofia und Jakob im Herbst des furchtbaren Jahres 1939 ohne Eltern da. Hedwig hatte noch in der Nacht, in der sie vom Mord an ihrer Schwiegertochter erfuhr, ihre Koffer gepackt und war in das Haus, in dessen Erdgeschoss sich der Sebastianus-Hof befand, übergesiedelt. Mit tatkräftiger Unterstützung der Kinderfrau Amalie und der Büffetkraft Evelyn, die sie zur Haushälterin machte, gelang es ihr, den Kindern einen halbwegs normalen Alltag zu ermöglichen. Emma, die jüngste, war zu Ostern des Jahres in die Volksschule gekommen, während ihr ältester Bruder Heinrich seine Kochlehre im besten Hotel der Stadt schon fast beendet hatte. Und weil Hedwig so viel Unterstützung bekam und sich ihre Enkel allesamt schnell und klaglos auf das neue Leben als Waisen einstellten, gelang es ihr sogar, den Gasthausbetrieb aufrechtzuerhalten. Alle treuen Mitarbeiter standen ihr dort zur Seite, und die Nachbarn und die Stammgäste besuchten den Sebastianus-Hof als wäre nichts geschehen. » ganz lesen

publiziert am 08.05.12 in Völkerwanderung ¦ 777x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Hand und Fuß – Teil 2

Elle hatte sich den Tag freigenommen in der Hoffnung, noch einmal mit Robert auf Einkaufstour gehen zu können. Aus Erfahrung wusste sie, dass feste Verabredungen mit ihrem Liebsten sinnlos waren, denn eine Prognose darüber abzugeben, ob er vom Dienst unbehelligt blieb, war kaum möglich. Sie hatten vereinbart, dass er sich gegen Mittag melden würde. So saß sie beim heimischen Milchkaffee, blätterte in einer Fachzeitschrift, wartete auf seinen Anruf und fühlte sich wie eine getreue Ehefrau.
Tatsächlich dauerte es nur eine knappe halbe Stunde. Robert druckste ein bisschen herum: „Ich habe mir gedacht, wir könnten ja heute vielleicht doch mal einfach so und unverbindlich vielleicht eventuell möglicherweise zu AMEK fahren. Und wenn wir gar nichts finden“, beeilte er sich hinzuzufügen, „dann gehen wir halt bloß den berühmten Kaiserschmarren im AMEK-Restaurant essen. Was meinst du?“ » ganz lesen

publiziert am 04.05.12 in Einzelteile ¦ 699x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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