Die Seite 9

Marianne und ich (3)

Später habe ich oft darüber nachgedacht, ob ich überhaupt je in sie verliebt war. Oder ob es überhaupt nur deshalb zu einer Beziehung mit Marianne kam, weil wir sofort Sex miteinander hatten. Nach der Trennung von Renate hatte ich nur einmal mit einer Frau geschlafen. Und die war dabei zu besoffen, um irgendetwas zu merken. Ich war sexuell ausgehungert, aber Frauen gegenüber zu schüchtern. Ich fand die lange Dünne neben mir nett. Vor allem hatte sie denselben Humor wie ich, war offensichtlich völlig unverklemmt und für meine Begriffe ziemlich erwachsen. Eine Frau eben, kein Mädchen wie die meisten anderen Sekretärinnen und weiblichen Aushilfen im Haus. » ganz lesen

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publiziert am 26.01.17 in Paare ¦ 192x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Komm, süße Depression

„Trauer ist ein Tier mit braunem Fell und großen Kinderaugen, das an meinem Brustbein aufwärts kriecht und mir dann direkt ins Gesicht starrt. Das rührt mich zu Tränen.“ Thibaud stand auf und ging ein paar Schritte hin und her. „Vermutlich nennt ihr den Zustand, wenn das Tier namens Trauer kommt, Depression. Im Rheinischen sagt man von einem, der deprimiert ist: Er hat dar ärme Dier.“ Er hatte sein Glas Wein vom Tresen geholt und sich wieder hingesetzt. Zilly fand, er sähe erholt aus, entspannt und auf unbestimmte Weise klar und sicher. „Die Menschen verstehen immer weniger, je mehr an fundierter Information ihnen zur Verfügung steht. Sie wollen lieber auf ihren Bauch hören. Und um jeden Preis fröhlich sein. Nur Idioten sind immer gut drauf. Kluge Menschen brauchen Depressionen. Und nutzen sie.“ » ganz lesen

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publiziert am 20.01.17 in Thibaud ¦ 196x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Marianne und ich (2)

Ich weiß es noch genau: Die Miete betrug ohne Nebenkosten 99 DM. Geheizt haben wir mit einem Elektroradiator, den wir jeweils in das Zimmer mitnahmen, in dem wir uns aufhielten. Ein Telefon gab es nicht, wir besaßen keinen Fernseher mehr, und das Bett war schmal. Genau genommen war es meine Wohnung. Und eine Katze hatte ich auch. Die war bei der Auflösung unserer WG auf dem Land übriggeblieben. Genau wie der Hund, den aber Bernd mitnahm. Die Wohnung hatte ich von Ellen übernommen, die zu Willi gezogen war, einem Mitglied der Wohngemeinschaft. So fügte sich alles ganz harmonisch. » ganz lesen

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publiziert am 16.01.17 in Paare ¦ 203x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Marianne und ich (1)

Es war Robby, der mich überredet hat, das hier aufzuschreiben, in unserem Stammlokal nach seiner Rückkehr von einer großen Reise einschließlich Transatlantik. Er hatte sich inzwischen auf mittelalte Passagierinnen spezialisiert, allein reisende, nicht zu attraktive. Eine davon eine Niederländerin namens Nele, die er fotografieren durfte. Am zweiten Tag der Atlantiküberquerung erotisch, am fünften dann pornografisch. Er zeigte mir die Bilder und meinte: Na, sieht doch aus wie Marianne. Da er Marianne nie persönlich kennengelernt hatte, das wurde mir klar, hatte er eine Vorstellung von ihr, die aus meinen vielen Erzählungen über sie und mein Leben mit ihr stammte. So groß war aber die Ähnlichkeit eigentlich nicht. Wenn ich mir allerdings Neles Gesicht wegdachte, was mir auf den späteren Fotos nicht schwerfiel, weil der Fokus auf anderen Regionen lag, dann sah ich Mariannes Körper wie ich mir vorstellte, dass er inzwischen aussah. » ganz lesen

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publiziert am 15.01.17 in Paare ¦ 202x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Karin und Josèphe

Er war der schwärzeste Mensch, den ich je gesehen habe. Wenn Josèphe und ich in jenem Sommer mit den Kindern im Freibad auftauchten, lagen alle Augen auf ihm. Damals kamen aber auch so gut wie keine Schwarzafrikaner ins Schwimmbad, und überhaupt gab es in der Stadt viel weniger Dunkelhäutige als heute. Seine Haut war nicht dunkelbraun, sondern schwarz. Es gab ein paar Stellen mit helleren Schattierungen und natürlich die Handflächen und Fußsohlen, aber sonst war Josèphe schwarz wie die Nacht. Und wenn wir im Schwimmbecken Ball spielten, dann glänzte seine Haut vom Wasser wie die fabrikneue Lackierung eines Mercedes. Mein Sohn Philipp und seine Tochter Zizi waren etwa gleich alt und wurden einen Sommer lang dicke Freunde. Verrückt genug, dass Phil in diesen sonnigen Monaten viel brauner wurde als Zizi. Die war in dieser Hinsicht ganz offensichtlich genetisch eine Fiftyfifty-Mischung. Denn Karin, ihre Mutter, war strohblond und hatte eine fast schneeweiße Haut. So weit sich das feststellen ließ, weil sie selbst bei größter Hitze und hier im Freibad nie mehr auszog als ihre Schuhe. » ganz lesen

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publiziert am 12.01.17 in Paare ¦ 182x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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