Die Seite 15

Marianne und ich (2)

Ich weiß es noch genau: Die Miete betrug ohne Nebenkosten 99 DM. Geheizt haben wir mit einem Elektroradiator, den wir jeweils in das Zimmer mitnahmen, in dem wir uns aufhielten. Ein Telefon gab es nicht, wir besaßen keinen Fernseher mehr, und das Bett war schmal. Genau genommen war es meine Wohnung. Und eine Katze hatte ich auch. Die war bei der Auflösung unserer WG auf dem Land übriggeblieben. Genau wie der Hund, den aber Bernd mitnahm. Die Wohnung hatte ich von Ellen übernommen, die zu Willi gezogen war, einem Mitglied der Wohngemeinschaft. So fügte sich alles ganz harmonisch. » ganz lesen

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publiziert am 16.01.17 in Paare ¦ 470x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Marianne und ich (1)

Es war Robby, der mich überredet hat, das hier aufzuschreiben, in unserem Stammlokal nach seiner Rückkehr von einer großen Reise einschließlich Transatlantik. Er hatte sich inzwischen auf mittelalte Passagierinnen spezialisiert, allein reisende, nicht zu attraktive. Eine davon eine Niederländerin namens Nele, die er fotografieren durfte. Am zweiten Tag der Atlantiküberquerung erotisch, am fünften dann pornografisch. Er zeigte mir die Bilder und meinte: Na, sieht doch aus wie Marianne. Da er Marianne nie persönlich kennengelernt hatte, das wurde mir klar, hatte er eine Vorstellung von ihr, die aus meinen vielen Erzählungen über sie und mein Leben mit ihr stammte. So groß war aber die Ähnlichkeit eigentlich nicht. Wenn ich mir allerdings Neles Gesicht wegdachte, was mir auf den späteren Fotos nicht schwerfiel, weil der Fokus auf anderen Regionen lag, dann sah ich Mariannes Körper wie ich mir vorstellte, dass er inzwischen aussah. » ganz lesen

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publiziert am 15.01.17 in Paare ¦ 472x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Karin und Josèphe

Er war der schwärzeste Mensch, den ich je gesehen habe. Wenn Josèphe und ich in jenem Sommer mit den Kindern im Freibad auftauchten, lagen alle Augen auf ihm. Damals kamen aber auch so gut wie keine Schwarzafrikaner ins Schwimmbad, und überhaupt gab es in der Stadt viel weniger Dunkelhäutige als heute. Seine Haut war nicht dunkelbraun, sondern schwarz. Es gab ein paar Stellen mit helleren Schattierungen und natürlich die Handflächen und Fußsohlen, aber sonst war Josèphe schwarz wie die Nacht. Und wenn wir im Schwimmbecken Ball spielten, dann glänzte seine Haut vom Wasser wie die fabrikneue Lackierung eines Mercedes. Mein Sohn Philipp und seine Tochter Zizi waren etwa gleich alt und wurden einen Sommer lang dicke Freunde. Verrückt genug, dass Phil in diesen sonnigen Monaten viel brauner wurde als Zizi. Die war in dieser Hinsicht ganz offensichtlich genetisch eine Fiftyfifty-Mischung. Denn Karin, ihre Mutter, war strohblond und hatte eine fast schneeweiße Haut. So weit sich das feststellen ließ, weil sie selbst bei größter Hitze und hier im Freibad nie mehr auszog als ihre Schuhe. » ganz lesen

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publiziert am 12.01.17 in Paare ¦ 459x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Erik allein

Auf einmal war alles zu groß und unübersichtlich. Erik hatte am Tag von Olivers Beerdigung die grundsätzliche Orientierung verloren in seinem Raum-Zeit-Kontinuum. Er erwachte Stunden früher oder später als all die Jahre, konnte kaum noch länger an einem Platz sitzen und legte Wege in der Wohnung zurück, die sich von den gewohnten Pfaden unterschieden. Sein Leben geriet zunehmen aus den Fugen. Und je chaotischer die Dinge wurden, desto weniger trauerte er um seinen Mann. Erik wurde wütend. Er begann mit dem toten Olli zu reden, ihm Vorwürfe zu machen, dass er ihn allein zurückgelassen hatte. Ständig gingen Dinge zu Bruch. Alle Akkus waren auf einmal leer, und nachdem de Kühlschrank seinen Geist aufgegeben hatte, stellte bald auch die Spülmaschine ihren Dienst ein. Oliver hätte solche Probleme mit links geregelt. Der wusste, wo Garantieunterlagen abgeheftet waren, und hatte ein Telefonverzeichnis ausschließlich für Handwerker, Notdienste und Hersteller. Erik wusste davon nichts und stand dem Desaster hilflos gegenüber. » ganz lesen

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publiziert am 07.01.17 in Paare ¦ 482x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Metin und Denise

Als sich Metin in Densise verliebte, bekam niemanden aus seinem Umfeld es mit. Die Menschen, mit denen er zu tun hatte, hätten es auch nicht verstanden. Zu unmöglich war diese Liebe. Damals lebte er im Haus seines Cousins Can in einem Vorort. Drei Jahre zuvor war seine Frau gestorben. Der einzige Sohn hatte seine Eltern schon mit siebzehn verlassen und war in das Dorf an der Schwarzmeerküste zurückgekehrt, in dem seine Großeltern wohnten. Außer Can, seiner Frau, den sechs Kindern und ihm hatten noch zwei Neffen und der alte Onkel Zimmer im Haus. Metin war einundvierzig und arbeitete seit mehr als zwölf Jahren als Busfahrer. Als er an einem sonnigen Junimorgen Denise in ihrem Rollstuhl an der Endhaltestelle sah, tat er, was vorgesehen war. Er holte die Rampe aus ihrem Fach, legte sie am mittleren Ausstieg an und half ihr in den Bus zu kommen. Dabei achtete er nicht besonders auf die junge Frau. Drei Haltestellen lang waren sie allein im Bus, und er bemerkte, dass sie ihn über den Spiegel genau beobachtete. Ihre schwarzen Augen begannen, ihn zu hypnotisieren, sodass er froh war, als weitere Fahrgäste zustiegen. » ganz lesen

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publiziert am 05.01.17 in Paare ¦ 450x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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