Die Seite 3

Die Konsequenz

Sie erinnerte sich nicht daran, wer die Idee gehabt hatte, mit einem geklauten Reisebus zur BZB zu fahren. Überhaupt erinnerte sie sich kaum noch an die anderen, an die Menschen, die mitgefahren, die zuvor schon an der Planung beteiligt waren. Sie wusste nur, dass sie die einzige Überlebende der Aktion war, denn ihre Genossen in den blauen Handwerkeroveralls mit den schwarzen Handschuhen, Mützen und Gesichtsmasken, die fünf jungen Männer und drei jungen Frauen, waren bei der Explosion von annähernd 400 Kilogramm Sprengstoff, die sie im Bus mitführten, ums Leben gekommen. Sophie erinnerte sich an keinen einzigen Namen. Und von denen, die nicht vor Ort waren, hatten sich vier am übernächsten Tag das Leben genommen. Die restlichen drei waren über die Jahre natürlicher Tode gestorben. Sie aber saß seit dem 8. Mai 1984 im Rollstuhl, weil sie keine Beine mehr hatte. » ganz lesen

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publiziert am 24.04.20 in Fünf ¦ 25x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Die Verteidigung

Die Dame richtet sich in ihrem Stuhl auf und saß nun kerzengerade mit durchgedrückten Rücken zwischen den Verteidigern. In dieser Haltung sah man Edith ihr hohes Alter von achtundachtzig Jahren nicht an, zumal sie ausgesprochen jugendlich gekleidet war und das weiße Haar kurzgeschnitten trug. Natürlich hatte sie in Richter Zisser jenen Richard wiedererkannt, der vor beinahe einem halben Jahrhundert ihr Liebhaber war. Damals waren die Verhältnisse umgekehrt. Ihr Gatte, der Graf von Dithausen, ein höflicher und zurückhaltender Mensch, ging auf die achtzig zu als er eine gewisse Edda heiratete, eine Studentin, die im Begriff war, ihr Diplom bei seinem Sohn an der Universität abzulegen. » ganz lesen

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publiziert am 18.04.20 in Fünf ¦ 23x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Der Liste

Ein hässlicher Herbst war eingezogen mit Dauerregen Tag und Nacht. Georg Scholl hatte zweimal versucht, den Rehbock zu schießen, den er schon länger im Auge hatte. Aber in der Mischung aus tiefhängenden Wolken, feuchter und diesiger Luft wra die Sicht zu schlecht. Nun verließ er das Haus nicht mehr. Die Vorräte würden für einige Wochen reichen. Auf eine lange Selbstisolation war er bestens vorbereitet. Und wenn ihn hungernde Städter nach einer Katastrophe oder im Kriegsfall im Torhaus des Gutes aufstöbern würden, könnte er immer noch in den Keller des leerstehenden Herrschaftsgebäude wechseln. Den hatte er entsprechend ausgebaut und ausgerüstet. Da könnte er locker ein Jahr überleben. An diesem Dienstag Ende Oktober hatten die Niederschläge ein wenig nachgelassen und zu Sprühregen geworden. » ganz lesen

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publiziert am 17.04.20 in Fünf ¦ 25x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Der gerade Weg

Als dem Journalisten Ulrich Bronner gestattet wurde, die Angeklagten in der Untersuchungshaft zu besuchen, um mit ihnen, so sie denn bereit dazu waren, Interviews zu führen, war es der Terrorist, der in den Medien als Axel L. bezeichnet wurde, der ohne Zögern zugestimmt hatte. Der Mann, den man mit einem selbstgebauten Sprengkörper am Leib in seinem Auto erwischt hatte, brauchte keine Frage, um sofort mit der Erzählung zu beginnen; Bronner hatte kaum Zeit, das Aufnahmegerät einzuschalten. » ganz lesen

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publiziert am 17.04.20 in Fünf ¦ 26x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Die Rettung

Er hatte keine Ahnung wie er in diese Situation geraten war. Richter Zisser war am Vormittag eines angenehmen Vorfrühlingstag aufgebrochen mit seinem Oldtimer. Der müsse mal bewegt werden, hatte er seiner Lebensgefährtin gesagt. Mit geöffnetem Verdeck war er übers platte Land gefahren, ohne festes Ziel. An der Luft, die ihn umwehte, und am Geräusch des alten Sechszylinders hatte er sich erfreut, und natürlich an den Blicken der Männer, wenn er durch eine Ortschaft kam. Er konnte sich in sie hineinversetzen, er wäre auch neidisch gewesen, wenn ein Typ mit einem derart schönen Auto vorbeigekommen wäre. Als er auf einer in sanften Kurven schwingenden Landstraße durch einen Mischwald auf einer Anhöhe kam, spürte er, dass er pinkeln musste. » ganz lesen

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publiziert am 05.04.20 in Fünf ¦ 24x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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