Die Seite 3

5 Klein, klein

Sieben Jahre zuvor. Es nieselt, es ist kalt, kaum acht Grad. Tiefstrahler beleuchten den nassen Kunstrasenplatz. Im Mittelkreis steht Alfred Killewald. Gut zwanzig Jungs laufen außerhalb der Außenlinien um den Platz. “Los, los, noch vier Runden,” ruft der Trainer. Er trägt eine Regenjacke über dem Trainingsanzug, während sich die 13-, 14-Jährigen in kurzen Hosen und Trikots warmlaufen. “So,” befiehlt er, “jetzt Fünf gegen Fünf ohne Torwart. Und die Torleute zu mir!” Die Spieler verteilen sich auf die Hälften links und rechts der Mittellinie. Vier von ihnen, die man an den fetten Handschuhen als Torhüter erkennt, finden sich bei Killewald ein. » ganz lesen

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publiziert am 03.07.20 in Fehlpass ¦ 122x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Kein Grün

Peilemeier saß ziemlich breitbeinig auf der roten Polsterbank in der hinteren Ecke der Bar. Ich hockte mit einigem Abstand auf einem Stuhl ihm gegenüber. “Heißt du wirklich Pan mit zweitem Vornamen?” Er lehnte sich noch weiter zurück. “Jan Pan Peilemeier, so heiße ich; kein Künstername, kein Pseudonym.” – “Wer nennt seinen Sohn denn Pan?” – “Idee meiner Mutter, die war Flötistin. Du verstehst: Pan, der Hirtengott mit der Flöte.” JPP, so ließ er sich gern nennen, grinste. “Du sagst “war’. Ist sie tot?” – “Nein, nein, quicklebendig, nur keine Flötistin mehr. Hat es nach der Geburt meiner Schwester drangegeben.” – “Und die heißt wohl Tuba mit zweitem Vornamen?” Er lachte ein bisschen, und es klang als habe er einen Krümel in der Luftröhre. “Die hat keinen zweiten Vornamen. Jedenfalls so weit ich weiß.” – “Und war dein Vater auch Musiker?” Peilemeier kippte kontrolliert vornüber und stützte die Ellenbogen auf den Knie ab: “Nein, der ist Schlagzeuger.” » ganz lesen

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publiziert am 11.06.20 in Typen ¦ 255x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Leben und Tod

“Hatten Sie nie moralische Bedenken, den Tod von Menschen anzustreben und zu planen?” fragte die Therapeutin. Edith fühlte sich nicht wohl im Patientensessel aus dunklem Leder, der aussah wie aufgequollenes Backwerk und dessen Lehnen sie fast ganz umschlossen. “Darf ich aufstehen, Frau…” – “Larissa Finkenscher, mein Name. Ja, suchen Sie sich einfach eine andere Sitzgelegenheit.” Die alte Dame erhob sich und stand kerzengerade da wie eine junge Frau, ging ein paar Schritte und stand dann mit dem Rücken zur Psychologin vor dem Panoramafenster. “Um ehrlich zu sein: Als ich die erste Liste aufstellte, sie wissen schon, die mit Dump, Jaschin, Jijen und den anderen Autokraten, habe ich mir überhaupt keine Gedanken gemacht. Ja, ich habe nicht einmal ernsthaft daran gedacht, diese Monstren wirklich umzubringen.” » ganz lesen

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publiziert am 07.06.20 in Fünf ¦ 242x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Hören und gesehen werden

Eddy war der erste im ganzen Viertel, der einen Walkman besaß. Den hatten ihm die Eltern geschenkt, den unterwegs Musik zu hören, lag in der Familie. So war Charly, Eddys Vater, in den Sechzigerjahren derart fasziniert von diesen handlichen Transistorempfänger mit Ohrhörer, dass er zum Radiobastler wurde. Unter anderem erfand er ein wasserdichtes Radio, indem er die nötigen Bauteile in einer Seifendose montierte, die er hermetisch abdichtet. Selten sah man Charly ohne sein handflächengroßes Transistorradio am Ohr. Wir waren alle sehr neidisch auf Eddy, der auf seinen Rollerskates durch die stillen Straßen des Vororts kurvte und sich zu Klängen bewegte, die nur er hören konnte. » ganz lesen

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publiziert am 31.05.20 in Stadtgeschichten ¦ 271x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Jeder kriegt, was er verdient

Mein Freund Börnie ist ein Hallodri, Bruder Leichtfuß hätte man ihn früher vielleicht genannt. Und weil er irgendwie immer durchkommt, ist er für mich der Protoytp eines Lebenskünstlers. Wir kennen uns schon seit fast dreißig Jahren. Damals hatte einer seiner Frauen, mit der eine Tochter hatte, das Kind in derselben Kita wie ich meinen Sohn. Da sah man sich häufiger, denn Börnie ließ es sich nicht nehmen, Linda, so der Name des Kindes, öfters abzuholen, obwohl er mit der Mutter längst nicht mehr zusammen war. Außerdem war da noch der wöchentliche Elternabend, schließlich handelt es sich um einen selbstverwalteten Kindergarten. » ganz lesen

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publiziert am 22.05.20 in Stadtgeschichten ¦ 289x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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