Die Seite 3

3 Spielplan

Im Prinzip hätte Wang Ho einen aus dem 62. Stockwerk des MOP-Buildings einen wunderbaren Blick über die 20-, 30- oder gar 40-Millionen-Metropole, aber wie meistens waberte gelblicher Nebel ein paar Etagen unter ihm über die Stadt. Der Makler hatte ihm damals erzählt, an klaren Tagen könne man im Westen sogar das Meer sehen, aber klare Tage hatte es in den letzten zwei Jahren nie gegeben. Und heute herrschte wieder dieses Wetter, dass die Fremden an Kuala Lumpur so hassten. Morgen ums acht hatte das Thermometer schon 36 Grad angezeigt, und jetzt waren es laut Wetter-App schon wieder 44 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von fast 90 Prozent. Wie, dachte er, können die armen Schweine, die nicht in einem klimatisierten Büro arbeiten, die nicht im klimatisierten Aufzug in die klimatisierte Tiefgarage fahren konnten, um sich dann in einer klimatisierten Limousine in ihr klimatisiertes Haus oben am Batu-See oder sonstwo außerhalb des Molochs chauffieren zu lassen, wie könnten die armen Menschen überhaupt überleben. » ganz lesen

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publiziert am 05.07.20 in Fehlpass ¦ 171x gelesen ¦ noch kein Kommentar

5 Klein, klein

Sieben Jahre zuvor. Es nieselt, es ist kalt, kaum acht Grad. Tiefstrahler beleuchten den nassen Kunstrasenplatz. Im Mittelkreis steht Alfred Killewald. Gut zwanzig Jungs laufen außerhalb der Außenlinien um den Platz. “Los, los, noch vier Runden,” ruft der Trainer. Er trägt eine Regenjacke über dem Trainingsanzug, während sich die 13-, 14-Jährigen in kurzen Hosen und Trikots warmlaufen. “So,” befiehlt er, “jetzt Fünf gegen Fünf ohne Torwart. Und die Torleute zu mir!” Die Spieler verteilen sich auf die Hälften links und rechts der Mittellinie. Vier von ihnen, die man an den fetten Handschuhen als Torhüter erkennt, finden sich bei Killewald ein. » ganz lesen

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publiziert am 03.07.20 in Fehlpass ¦ 171x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Kein Grün

Peilemeier saß ziemlich breitbeinig auf der roten Polsterbank in der hinteren Ecke der Bar. Ich hockte mit einigem Abstand auf einem Stuhl ihm gegenüber. “Heißt du wirklich Pan mit zweitem Vornamen?” Er lehnte sich noch weiter zurück. “Jan Pan Peilemeier, so heiße ich; kein Künstername, kein Pseudonym.” – “Wer nennt seinen Sohn denn Pan?” – “Idee meiner Mutter, die war Flötistin. Du verstehst: Pan, der Hirtengott mit der Flöte.” JPP, so ließ er sich gern nennen, grinste. “Du sagst “war’. Ist sie tot?” – “Nein, nein, quicklebendig, nur keine Flötistin mehr. Hat es nach der Geburt meiner Schwester drangegeben.” – “Und die heißt wohl Tuba mit zweitem Vornamen?” Er lachte ein bisschen, und es klang als habe er einen Krümel in der Luftröhre. “Die hat keinen zweiten Vornamen. Jedenfalls so weit ich weiß.” – “Und war dein Vater auch Musiker?” Peilemeier kippte kontrolliert vornüber und stützte die Ellenbogen auf den Knie ab: “Nein, der ist Schlagzeuger.” » ganz lesen

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publiziert am 11.06.20 in Typen ¦ 334x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Leben und Tod

“Hatten Sie nie moralische Bedenken, den Tod von Menschen anzustreben und zu planen?” fragte die Therapeutin. Edith fühlte sich nicht wohl im Patientensessel aus dunklem Leder, der aussah wie aufgequollenes Backwerk und dessen Lehnen sie fast ganz umschlossen. “Darf ich aufstehen, Frau…” – “Larissa Finkenscher, mein Name. Ja, suchen Sie sich einfach eine andere Sitzgelegenheit.” Die alte Dame erhob sich und stand kerzengerade da wie eine junge Frau, ging ein paar Schritte und stand dann mit dem Rücken zur Psychologin vor dem Panoramafenster. “Um ehrlich zu sein: Als ich die erste Liste aufstellte, sie wissen schon, die mit Dump, Jaschin, Jijen und den anderen Autokraten, habe ich mir überhaupt keine Gedanken gemacht. Ja, ich habe nicht einmal ernsthaft daran gedacht, diese Monstren wirklich umzubringen.” » ganz lesen

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publiziert am 07.06.20 in Fünf ¦ 306x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Hören und gesehen werden

Eddy war der erste im ganzen Viertel, der einen Walkman besaß. Den hatten ihm die Eltern geschenkt, den unterwegs Musik zu hören, lag in der Familie. So war Charly, Eddys Vater, in den Sechzigerjahren derart fasziniert von diesen handlichen Transistorempfänger mit Ohrhörer, dass er zum Radiobastler wurde. Unter anderem erfand er ein wasserdichtes Radio, indem er die nötigen Bauteile in einer Seifendose montierte, die er hermetisch abdichtet. Selten sah man Charly ohne sein handflächengroßes Transistorradio am Ohr. Wir waren alle sehr neidisch auf Eddy, der auf seinen Rollerskates durch die stillen Straßen des Vororts kurvte und sich zu Klängen bewegte, die nur er hören konnte. » ganz lesen

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publiziert am 31.05.20 in Stadtgeschichten ¦ 336x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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