Die Seite 84

Männer & Frauen

Zilla hatte von einem Kollegen erzählt, dessen Frau ihn verlassen hatte. Sie hatte nicht nur die drei Kinder mitgenommen, sondern das Haus komplett leer geräumt. Als der Mann von einer Dienstreise heim kam, fand er nur seine persönlichen Sache, alle Möbel und sonstigen Gegenstände waren weg. Thibaud schaltete sich ein und sagte: » ganz lesen

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publiziert am 12.07.07 in Thibaud ¦ 1499x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Monolog über die Gerechtigkeit

Der folgende Text ist Thibauds Monolog über die Gerechtigkeit wie ihn Ulla aus dem Gedächtnis aufgezeichnet hat. Sie erzählte, er habe vor seinem PC gesessen wie ihmmer, den Bürostuhl auf maximaler Höhe, sodass nur die Fußspitzen den Boden berührten, sehr aufrecht, die Hände unbeweglich auf der Tastatur ruhend und den Blick fest auf das Display geheftet. Er habe zunächst sehr bedächtig gesprochen, sich dann aber in eine wütende Rede gesteigert, die in einem langen Schrei geendet sei. Die ersten beiden Sätze habe sie nicht gehört und nicht aufschreiben könne; sie habe diese aber entsprechend des ürbigen Monologs ergänzt. Ich bin der Meinung, Ulla hat sich diese ersten Sätze ausgedacht, ja, vielleicht hat sie sich das alles nur ausgedacht, um diese Aussagen zu rechtfertigen, mit denen sie uns so beeinflussen will, wie Thibaud das sonst tut. » ganz lesen

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publiziert am 18.04.07 in Thibaud ¦ 1406x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Alte Zeiten, neue Pläne

“Ja,” sagte Thibaud, “ich kenn das. Erzähl wie es bei dir war.” Wir saßen in seinem Büro unter dem Dach, denn eigentlich hatten wir über das Konzept für dieses neue Portal diskutieren wollen an diesem Samstagabend. Ulla hatte uns später einen Imbiss gebracht und eine Flasche Wein. Wir hatten gegessen und dabei Belangloses geredet. Bis Thibaud mich fragte, wie es mir denn in den letzten Monaten gegangen sei, man habe sich ja seit über einem Vierteljahr nicht gesehen. “Beschissen,” hatte ich geantwortet, und jetzt wollte er es genau wissen.

“Es fing damit an,” begann ich, “dass ich das Gefühl hatte, dass alles, was um mich herum geschah, gegen mich gerichtet war. Alle Menschen, denen ich direkt oder indirekt begegnete, wollten mir schaden – so kam es mir vor. Ab irgendeinem Zeitpunkt hatte ich den Eindruck, es sei immer schon so gewesen, und ich tat mir leid. Mir schien es so, als hätte ich nie wirkliche Freude erlebt, sei nie verstanden oder geliebt worden. Dann, an einem sehr grauen Tag, an dem ein eiskalter Nieselregen mich auf dem Weg ins Büro begleitet hatte, an einem Tag, an die Kollegen mich anschwiegen, begann ich, mich selbst nicht mehr zu mögen. Ich fand mich hässlich, zu dick, unbeholfen, und wusste ganz plötzlich, dass mich nie ein anderer Mensch so erkennen würde, wie ich war. Ich las die Zeitung und verstand kein Wort. Ich stellte mir die Frage: Was soll werden?” » ganz lesen

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publiziert am 11.03.07 in Thibaud ¦ 1379x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Entlassung

Und wieder bildeten wir das Empfangskomitee für Thibaud. Wieder stand die alte Clique, die aus seinen alten Schülern und Schülerinnen bestand, fast vollzählig vor dem Nebenausgang der Haftanstalt auf dem Gehsteig. Hanshubert bot Zigaretten an, aber die meisten hatten das Rauchen aufgegeben. Ulla stand da in ihrem weiten Mantel, unbeweglich und konzentriert, während Wolle eine Sektflasche schwenkte und grinste. Natürlich hatte uns die Nachricht, dass Thibaud seine Reststrafe hatte absitzen müssen, schockiert. Zilly war die erste gewesen, die Ulla anrief: “Er wird nie vernünftig handeln,” hatte sie gesagt. Denn er war tatsächlich nach Hamburg gefahren, hatte diesem hässlichen Anwalt tatsächlich aufgelauert und ihn verprügelt, obwohl er hätte wissen müssen, dass er damit gegen die Bewährungsaulagen vertieß. Immerhin hatte er nur sechs Wochen Haft aushalten müssen, und Ulla berichtete, dass er gar nicht traurig darüber war, weil er im Knast Zeit hätte, endlich Proust komplett zu lesen. » ganz lesen

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publiziert am 06.02.07 in Thibaud ¦ 1524x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Lustschrei

Das hatte sich Thibaud anders vorgestellt. Er hatte sich ausgemalt, dass Tizla käme in einem schlichten, schwarzen Kleid, dass er ein wunderbares Essen und herrlichen Wein servieren würde, dass er sie verzaubern könnte und dass er dann Sex mit ihr haben würde. Tizla Tunc hieße sie, berichtete er, als wir spät in der Nacht noch zu ihm kamen, nachdem er uns angerufen und um Beistand gebeten hatte. Tizla Tunc, das könne nur ein Künstlername sein, vermutete ich, aber Thibaud schüttelte den Kopf, es sei ihr richtiger Name. Sie sei Serbin, erzählte er und schilderte sie als knabenhafte, schwarzhaarige Frau mit rauer Altstimmme. Ihr Gesicht habe etwas Asiatisches, und ihre Hüften seien ein bisschen breit, obwohl sie insgesamt schmal, ja, auch ziemlich flachbrüstig sei. Aber das spiele keine Rolle. Tizla sei noch sehr jung, kaum sechsundzwanzig Jahre, sehr selbstbewusst, und er habe sie im Seminar kennen gelernt. Sie habe seine Einladung freudig angenommen, und er habe sich sehr auf den Abend und die Nacht, das gab er zu, gefreut. Aber sie sei nicht gekommen, habe auch nicht abgesagt. » ganz lesen

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publiziert am 23.12.06 in Thibaud ¦ 1501x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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