Die Seite 95

Lüge & Verrat

Thibaud war mir immer als extremer Mensch erschienen. Jemand, der extreme Gedanken dachte, und auch vor extremen Taten nicht zurück schreckte. Wir alle bewunderten ihn, fürchteten ihn aber auch, denn er hatte oft genug bewiesen, dass sein schrankenloses Denken und Tun uns zu unbedachten Aktionen herausfordern konnten. Aber letztlich kehrten wir alle wieder in unsere ruhigen und gefahhrlosen Existenzen zurück. Trotz allem war Thibaud kein Guru, kein Missionar, kein Held und auch kein Führer. Edmund hatte einmal angemerkt, dass Thibaud ein Solitär wäre, ein Einzelstück ohne jede Bindung an Konventionen und an Menschen. Zilly hatte dieser Ansicht zu Recht widersprochen mit der Begründung, selbst ein so großer und einsamer Geist wie Thibaud brauche ein Publikum und Menschen, denen er vertrauen kann. » ganz lesen

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publiziert am 07.06.05 in Thibaud ¦ 1905x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Skinheads tot

Auch dieses Mal hatte Thibaud sich nicht bei uns abgemeldet, er verschwand einfach und tauchte nach fast sieben Monaten wieder auf: braungebrannt und mit kurzgeschorenen Haaren. Wir hatten keine Verbindung gesehen zwischen seiner Abwesenheit und dem Mord an den zwei jungen Männern in Rudolstadt. Deshalb kam sein Geständnis umso überraschender. Wir trafen uns mit ihm im Stadtpark am See. Er trug eine Sonnenbrille und wirkte nervös. Er sei noch am gleichen Abend mit dem Auto in die Schweiz gefahren und mit der letzten Maschine von Zürich nach Casablanca geflogen. Dort habe er einen Wagen gemietet um nach Goulimime zu kommen, wo sein Freund Tarek lebt. Am nächsten Tag habe er sich die Haare schneiden lassen und dann eine Dschellabah gekauft. Sein Glück sei es gewesen, dass niemand den Vorfall beobachtet habe, der seine Flucht ausgelöst hatte. » ganz lesen

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publiziert am 10.05.05 in Thibaud ¦ 2016x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Lügengeschichten

“Es ist so ein Sache mit der Realität,” begann Thibaud an jenem Abend das Gespräch als wir alle in seinem Sommerhaus in der Nähe von Zoutelande zu Besuch waren, den ganzen Tag am Strand verbracht und im Restaurant unter den Dünen auf der Holzterrasse ungezählte Flaschen Heineken getrunken hatten. Eigentlich waren wir alle betrunken von Bier und Sonne, müde vom blendenden Licht und so weit weg vom Ärger und Stress daheim, dass wir nur noch rumalberten und dumme Witze rissen. Und nun Thibaud mit ernster Stimme. “Erinnert sich noch jemand an die Geschichte über den Besitzer der Fischbratbude am Duinweg, die ich heute vormittag erzählte?” Ich hatte eine diffuse Ahnung, dass er uns mittags nach großen Portionen gebratener Scholle und holländischer Fritten, die Familiengeschichte der Betreiber präsentiert hatte. Dabei spielte der schwachsinnige Sohn eine Rolle, der Widerstand des Großvaters gegen die Nazis und ein jüdischer Küchenhelfer, den man in seinem Versteck vergessen hatte. Es war eine gute Geschichte. » ganz lesen

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publiziert am 02.05.05 in Thibaud ¦ 1928x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Delikatessen

In jenen Tagen wurde es Thibaud langweilig. Er rief mich an und fragte, was ich ihm als Gegenmittel empfehlen könnte. Natürlich schlug ich verschiedene Vergnügungen und Zerstreuungen vor, aber er beharrte darauf, dass es etwas sein müsse, was er unter normalen Umständen niemals als Aktivität ins Auge fassen würde. Ich vergass die ganze Angelegenheit und hörte über mehrere Wochen nichts von Thibaud.
Dann begegneten Jill und ich ihm zufällig im Delikatessengeschäft am Rande der Innenstadt, wo wir Risottoreis zu kaufen pflegten. Thibaud trug eine Bundfaltenhose, ein gelbes Polohemd und Slipper mit Bommeln. Am Kragen war eine Anstecknadel befestigt mit dem Symbol einer der großen Parteien. Er lächelte verbindlich, küsste Jill flüchtig auf die Wange und gab mir die Hand. Er sei Mitglied der Partei geworden und besuche fleißig die Sitzungen der örtlichen Untergliederung. Man habe ihn gleich als Kandidat für die kommenden Wahlen aufstellen wolle, aber er habe angewinkt und auf sein begrenzten Zeitressourcen hingewiesen. Außerdem, so Thibaud weiter, habe er erklärt, er könne der Partei auch nützlich sein, ohne eine Amt zu bekleiden. » ganz lesen

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publiziert am 27.04.05 in Thibaud ¦ 1985x gelesen ¦ noch kein Kommentar

Badewanne

Als wir alle am Tag nach Thibauds angeblichem Tod in der ehemaligen Mensa beisammen saßen, müde und traurig, und Tee tranken, wollte natürlich jeder von einem persönlichen Erlebnis mit ihm berichten. Auch Eric fing mit einem “Wisst ihr noch…” an, brach aber ab und lachte laut auf. Nur Sue erzählte gefasst und lückenlos von dem Tag als Thibaud morgens in die Badewanne gestiegen war und nach vierzehn Stunden immer noch darin saß und dann erstmals quer durchs Haus nach ihr rief. “Bring mir bitte eine Flasche von dem 86er Saint Emillion”, habe er sie gebeten. Als sie mit dem Wein und einem Glas ins Badezimmer zurückgekehrt sei, habe er sehr flach in der Wanne gelegen, und sein großer, steifer Penis habe aus dem Wasser geschaut wie ein Leuchtturm. Er habe da mit geschlossenen Augen gelegen und eine auffordernde Handbewegung gemacht. Sue schilderte detailliert, was sie mit seinem Glied gemacht hatte, und Jill fragte natürlich: “Hast du geschluckt?” » ganz lesen

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publiziert am 16.04.05 in Thibaud ¦ 2001x gelesen ¦ noch kein Kommentar

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